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Besprechung
3.2015


Alice Henkes :  Der jurassische Künstler Augustin Rebetez erschafft in seinem multimedialen Werk eine animistische Welt, in der Schubladen, Vögel, Häuser zu dunklem Leben erwachen. Seine Ausstellung in der Galerie Nicola von Senger in Zürich ist eine atemberaubende Gesamtinstallation.


Zürich : Augustin Rebetez - We believe in shadows and whispers...


  
Augustin Rebetez · untitled, 2014, Digitalprint auf Hahnemühle, 100x67 cm, Edition von 6+1EA, AR/F 135


Der Beginn des Videos ‹Oiseaux›, 2014, erinnert an die ‹Augsburger Puppenkiste›: Eine Schachtel öffnet sich, eine schwarze Figur steigt hinaus in eine trickreiche Filmwelt, in der Musikinstrumente Zähne haben, schwarz vermummte Gestalten in Schubladen und Staubsaugern verschwinden und dunkle Vögel umherschwirren. Der Stop-Motion-Film wirkt mit seinen ruckeligen Bewegungen und absurden Volten wie eine humorige Geisterbahnfahrt. Edgar Allen Poe meets Dada. Das Video ist das flimmernde Herz der Ausstellung ‹Arrière-Tête (Mécanismes)› des Jurassiers Augustin Rebetez (*1986), der sich daranmacht, den Kunstmarkt im Eiltempo zu erobern. Zahlreiche Ausstellungen und hochkarätige Preise sind in seiner Vita aufgelistet. ­Zuletzt erhielt er den Grand Prix international de photographie de Vevey 2013/14. ­Rebetez nahm den Preis als Ansporn und Finanzierungshilfe, um eine neue Serie von Fotografien, Acrylbildern und Videos zu erarbeiten. Hatten frühere Arbeiten noch viel von Imponiergesten selbstgefälliger Jugendlichkeit, so schafft Rebetez mit seiner neuen Serie einen stimmigen Komplex, der wie die post-postmoderne Wiederverzauberung der allzu kühl durchkalkulierten Welt wirkt.
«We are ghosts trying to become visible. We like rituals. We believe in shadows and whispers. We work for the night.» Dezent, in matten Farben lösen Rebetez' Arbeiten das Motto seiner Homepage ein. Die Fotografien sind, im Gegensatz zu früheren Arbeiten, bei Tag entstanden, oft auf Reisen. Dennoch wirken sie nächtlich, wie von fantastischen Träumen durchzogen. Sie zeigen abgewetzte Messer und tote Wälder. Labyrinthe aus Kartonhäuschen, in denen Kafka oder Kubin sich verirren könnten. ­Figuren halb Mensch, halb Tier, halb Organismus, halb Objekt. Rebetez inszeniert ­eine animistische Welt. In den Videos bewegen sich Möbel und Gegenstände geisterhaft. Liebevoll betrachtet der Künstler Abseitiges und Unalltägliches. Dämonische Fasnachtsmasken interessieren ihn ebenso wie die Fähigkeiten von Kontorsionskünstlern. In den Acrylbildern mutieren abstrahierte Tiere und Menschen zu Mehr­füssern und Mischwesen, die an Paul Klee erinnern, an A.R. Penck und an das Logo der Einstürzenden Neubauten, jener Berliner Band, die den grellen Soundtrack für die rebellisch-experimentierfreudigen Achtzigerjahre schrieb. Begleitend zur Ausstellung hat Rebetez eine Platte aufgenommen, die diesen schrägen, verlangenden, sich dem Gebot der Gefälligkeit entziehenden Ton wieder aufnimmt.

Bis: 14.03.2015



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Ausgabe 3  2015
Ausstellungen Augustin Rebetez [09.01.15-14.03.15]
Institutionen Nicola von Senger AG [Zürich/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Augustin Rebetez
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