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3.2015




Altdorf : Heinrich Danioth


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Heinrich Danioth · Föhn, 1921, Holzschnitt, 15x12,2 cm, Illustration für eine Schnitzelbank der ‹Nächstenliebe› Altdorf ©ProLitteris
rechts: Felice Zenoni · Danioth - der Teufelsmaler, Film 90', Szenenbild ©ProLitteris


Den Teufel hat er gemalt. Ob der Urner Heinrich Danioth (1896-1953) deswegen aber auch ein Teufelsmaler war? Bei aller Expressivität mancher seiner frühen Werke waren ungebremstes Vorstürmen in künstlerisches Neuland oder Besessenheit kaum seine Sache, wohl aber die harte Arbeit, Besonnenheit, das Ringen um Tiefe und Qualität - und der hohe Einsatz für die ureigene künstlerische Sprache. Ins Bewusstsein der Schweizer/innen hat er sich eingeschrieben mit manchen seiner flächig-markant gebauten Wandmalereien - mit dem von Ewig-Rückwärtsgewandten heftig befehdeten Bild ‹Fundamentum› an der Fassade des Bundesbriefarchivs in Schwyz (1936), mit ‹Föhnwacht› im Wartsaal des Bahnhofs Flüelen (1944) und eben mit dem roten Teufel an der Schöllenenwand (1950). Im Kanton Uri kennt man überdies seine höchst innovativen Wandbilder im Tellspielhaus in Altdorf (1927), aber auch die Malereien, die expressiven Holzschnitte und die Aquarelle, die im Haus für Kunst Uri eine Bleibe gefunden haben und nun dort in grösserem Kontext - in Verbindung und im Vergleich mit Malern wie Hodler, Segantini, Kirchner, Giacometti - gezeigt werden. Nur Eingeweihten bekannt sein dürften Danioths spitz satirische Arbeiten für den «Nebelspalter» aus den Dreissigerjahren, sein abgründiges ‹Urner Krippenspiel› und sein literarisches Schaffen.
Der Urner Dokumentarfilmer Felice Zenoni widmet dem vielfältigen Künstler seine neueste Arbeit ‹Danioth - der Teufelsmaler›. Der informative Film folgt - formal konventionell und wenig inspiriert - Danioths Biografie in strenger Chronologie. Er lässt in Notizen und Gedichten den auch sprachbegabten Künstler zu Wort kommen, lässt die Urner Landschaft, aus deren Erleben der Maler wesentliche Impulse bezog, für sich sprechen, zeigt (mitunter knapp) Danioths Werke, schildert den künstlerischen Werdegang, aber auch die Gesellschaftsverhältnisse im Kanton Uri. Beeindruckend sind dabei die zahlreichen Aussagen der beiden Töchter des Künstlers, die ihre Jugend im schönen Haus am See in Flüelen schildern und Einblick geben in eine oft auch finanziell prekäre Familiensituation. Zu Wort kommen Zeitzeugen und als Experte der aus Uri stammende Kunsthistoriker Beat Stutzer sowie Barbara Zürcher, die Leiterin des Hauses für Kunst Uri. Sie schildert Danioths Isolation in der Innerschweiz: Ein Zugang zu Galerien war ihm nicht möglich, ebenso konnte er sich kaum in der Kunstwelt vernetzen, was einem der Qualität seines Werks entsprechenden gesamtschweizerischen Echo abträglich war.

Bis: 17.05.2015



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Ausgabe 3  2015
Ausstellungen Heinrich Danioth und Weggefährten [07.03.15-17.05.15]
Video Video
Institutionen Haus für Kunst Uri [Altdorf/Schweiz]
Autor/in Niklaus Oberholzer
Künstler/in Heinrich Danioth
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