Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
3.2015




Zürich : Linie 31


von: Nadine Haldemann

  
links: Francisca Silva · Vision, 2015, Sprayfarbe und Acryl auf Leinwand, 222x165 cm, Courtesy Herrmann Germann Contemporary
rechts: Stefan Guggisberg · ohne Titel (Rad), 2014, Öl auf Papier, 30 x 25 cm


Zum zweiten Mal seit 2013 stellen achtzehn Galerien und Off-Spaces aus dem Zürcher Kreis 4 das Medium der Zeichnung in den Fokus eines gemeinsamen Projekts. In Ausstellungen und Aktionen, die an einem Samstag gebündelt stattfinden, wird die Bandbreite des Mediums anhand unterschiedlicher zeitgenössischer Positionen aufgezeigt. Dabei wird deutlich, dass die Zeichnung über ihre Funktion als Trägerin der Idee eines Werks hinaus ein vielseitiges und eigenständiges Medium ist. Linie 31 bietet einige interessante Beispiele aus diesem Spektrum.
Hauser Gallery zeigt Arbeiten des Berner Künstlers Stefan Guggisberg, der bei Neo Rauch in Leipzig studiert hat. Bereits angesichts der vom Künstler verwendeten Technik - Öl auf Papier - stellen sich Fragen nach der Definition der Zeichnung. Konrad Tobler spricht in seinem Artikel über Guggisbergs Arbeiten von «Gemälden» und nennt seine Arbeitsweise «ausgefeilt, akribisch, vielschichtig und diszipliniert». Das Wissen um den gewählten Arbeitsprozess ist relevant für das Verständnis dieser Bilder. Aufbauend auf einer Grundierung, die einen eigentlichen Farbkörper bildet, entstehen Formen und Figurationen unterschiedlichster Beschaffenheit vor allem durch Wegradieren, Umschichten oder Verdichten des vorher aufgetragenen Materials.
Eine ganz andere Position bietet Herrmann Germann Contemporary mit Fancisca Silva an, einer Tessinerin mit chilenischen Wurzeln. In der bereits eröffneten Ausstellung ‹Still Rapping it (Process Work)› lotet sie das psychologische Prinzip aus, neue Kraft aus Negativem zu schöpfen. Wie Guggisberg bedient auch sie sich nicht der klassischen Materialien der Zeichnung, sondern zeichnet mit der Spraydose grellfarbige Muster und Parolen auf Karton, Holz, Papier oder Textilien. Ihre Performance ‹Don't cry get inked› beinhaltet ein Walk-in Tattoo-Studio, in dem Silva eigene Zeichnungen auf die Haut mutiger Besucher/innen sticht.
Bei Brigitte Weiss ist eine ‹Begegnung mit San Keller› möglich. Was der Performance- und Konzeptkünstler im Rahmen einer Aktion zum Thema Zeichnung machen wird, dürfte spannend sein. Allenfalls gibt die bereits angelaufene Ausstellung ‹Deleted Scenes› Hinweise darauf. Diese zeigt u.a. 16 Filmszenen, die es nicht in die Endfassung des soeben fertiggestellten Films geschafft haben, sowie Arbeiten auf Papier, die Diagramme möglicher Beziehungen zwischen Andy Warhol, Martin Disteli und San Keller aufzeigen.

Bis: 14.03.2015



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 3  2015
Ausstellungen Line 31: Zeichnung - Drawing - Dessin [14.03.15-30.04.15]
Institutionen Marlene Frei [Zürich/Schweiz]
Autor/in Nadine Haldemann
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=150221140659FCA-30
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.