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Besprechung
4.2015


Alice Henkes :  Christina Hemauer und Roman Keller beschäftigen sich in ihren Arbeiten mit der Beziehung von Energie, Kultur und Geschichte. In ihrer Ausstellung ‹Im Drehsinn. Wirtschaft und Kunst› ­beziehen sie sich direkt auf die schwierige finanzielle Lage des Kunstmuseums Olten.


Olten : Christina Hemauer und Roman Keller - Energieflüsse


  
links: Christine Hemauer und Roman Keller · Energieflussdiagramm 7, 2014, Inkjet-Print, 34x25 cm; rechts: Christina Hemauer und Roman Keller · Wirtschaft und Kunst, 2014, Siebdruck auf Buchdeckel, 21x13 cm


«Das ist so: Es gibt Konjunkturen und es gibt Krisen. Das muss man ausstehen», erklärt Paul Meier, ehemals Konservator am Kunstmuseum Olten in ­einem Video-Interview zur Ausstellung ‹Wirtschaft und Kunst›, die 1959 im Hauptgebäude der Atel in Olten stattfand. Der Wechsel zwischen Wachstum und Krise ist Wirtschaftsalltag. Die Gelassenheit Meiers sucht man heute vergebens. Paul ­Meier ­konnte in Wachstumszeiten sprechen. Die Ausstellung hatte schweizweite Ausstrahlung. 36 Unternehmen schickten Werke aus ihren Sammlungen nach Olten. Der Aussteller, das Energie-Unternehmen Atel, ging 2009 in der Alpiq Holding AG auf. Veränderungen auf dem Energiemarkt führten fünf Jahre später zu Einbussen bei der Alpiq, dadurch gingen der Stadt Olten wichtige Steuereinnahmen verloren. Im Stadtrat wurde über Sparmassnahmen debattiert, auch über eine mögliche Schliessung des Kunstmuseums Olten. Der räumliche und zeitliche Rahmen der Ausstellung ‹Im Drehsinn. Wirtschaft und Kunst› von Christina Hemauer (*1973) und Roman Keller (*1969) könnte besser gar nicht gewählt sein. Die beiden Kunstschaffenden, die sich seit Jahren in vielfältiger Form mit der Beziehung von Energie, Kultur und Geschichte beschäftigen, beziehen sich mit ihrer Ausstellung direkt auf das Kunstmuseum Olten und seine Schwierigkeiten und liefern in Videos, Dokumenten, Artefakten eine Art Vorgeschichte und Analyse der jüngsten Ereignisse.
Das erwähnte Video spielt dabei eine zentrale Rolle, lässt es doch zahlreiche Akteure aus Kultur und Wirtschaft zu Wort kommen und wirft dabei interessante Streiflichter auf die Funktion der Kunst als Ware und ihren Bedeutungswandel, je nach Konjunkturlage. Ob öffentliche Sammlungen, die in guten Zeiten gern als Bewahrerinnen des gesellschaftlichen Kulturerbes bezeichnet werden, Werke aus ihren Depots verkaufen dürfen, das ist keine neue Frage, auch wenn sie sich in jüngster Zeit gehäuft stellt. Meldungen wie die vom Verkauf von Andy-Warhol-Bildern im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen wirken alarmierend. Hemauer und Keller zeigen in ihrer faktenreichen Ausstellung, dass die Verbindung zwischen Kunst und Wirtschaft immer eine prekäre ist, und liefern dafür spannendes Anschauungsmaterial aus ­Olten. Das Künstlerduo hat in seinen engagierten Recherchen so erhellende Befunde zusammengetragen, dass man gern verzeiht, dass die Schau über weite Strecken sehr dokumentarisch und fast ein wenig karg daherkommt.

Bis: 19.04.2015



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Ausgabe 4  2015
Ausstellungen Christina Hemauer, Roman Keller [01.02.15-19.04.15]
Institutionen Kunstmuseum Olten [Olten/Schweiz]
Autor/in Alice Henkes
Künstler/in Christina Hemauer
Künstler/in Roman Keller
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