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Besprechung
4.2015


Yvonne Ziegler :  Unter dem treffenden Titel ‹(Un)Ordnung. (Dés)Ordre› würdigt das Haus Konstruktiv in einer kleinen Übersichtsschau das ­Lebenswerk der ungarischen Künstlerin Vera Molnar, die zu den ersten akademisch ausgebildeten Künstlerinnen zählt, die sich in den Sechzigern dem Medium Computergrafik zuwandten.


Zürich : Vera Molnar - Präzision plus ein Prozent Unordnung


  
Vera Molnar · Ausstellungsansichten Museum Haus Konstruktiv Zürich, 2015 ©ProLitteris. Foto: Stefan Altenburger


Vera Molnar (*1924) studierte in Budapest Kunstgeschichte und Malerei. Ihr Streben nach Systematisierung und Reduktion der bildnerischen Mittel führte bereits ein Jahr bevor sie 1947 nach Paris übersiedelte zu ersten gegenstandslosen geometrischen Arbeiten. In Paris beeindruckten sie die strengen Formen der Kathedrale Notre-Dame. Hier lernte sie Werke des russischen Konstruktivismus und der konkreten Kunst sowie Max Benses Informationsästhetik kennen und kam in Kontakt mit Gleichgesinnten wie François Morellet. Ab 1959 schuf sie nach den Regeln ihrer ‹machine imaginaire› in sich geschlossene Serien von gezeichneten Formkombinationen, bis sie 1968 erstmals die Möglichkeit fand, an einem Computer Grafiken zu programmieren - damals noch ein Arbeiten ohne unmittelbare Sichtbarkeit des Ergebnisses, denn es gab noch keine Bildschirme und die Lochkarten mussten erst in einen Plotter gesteckt werden, der für den Ausdruck mehrere Stunden brauchte.
Zwei kleine fleckige Grafiken mit feinen senkrechten, diagonalen und waagrechten Linien zeigen ihre ersten Versuche mit dem neuen Medium. Es sind zwei Einzelbilder einer unbegrenzten Variation des zugrundeliegenden Programms. Denn mit Hilfe von Algorithmen ergeben sich unendliche Veränderungsmöglichkeiten der Länge, Dicke, Position oder Farbe einer Linie. Dies wird besonders anschaulich an der seriellen Entwicklung ‹Von 196 (vernünftigen) Quadraten zu 196 (verrückten) Trapezen›, 1975. Eine Programmstation erlaubt dem Publikum, selbst mehrere Parameter festzulegen und deren grafische Resultate zu berechnen. Neben den Computergrafiken entstehen fortlaufend Zeichnungen sowie Collagen mit auf einem Feld angeordneten gleich grossen verschiedenfarbigen Papierquadraten. Als ideal empfindet sie die Anzahl von neun Quadraten, immer wieder tauchen diese in verschiedenen Anordnungen auf. Manchmal sind sie so eng aneinander gesetzt, dass die Zwischenräume, die für die Künstlerin ebenso wichtig wie die Formen sind, verschwinden. Ihr Werk beruht nicht nur auf den Prinzipien Präzision, Wiederholung, Symmetrie, Progression und Variation, sondern auch auf dem kalkulierten bzw. computergenerierten Zufall. Sie strebt 1% Unordnung an. Sie will Präzision, jedoch nicht Perfektion. Ihre Ergebnisse sind sehr ästhetisch. Die leider nicht chronologisch gehängte Schau legt ihr Augenmerk auf die Themen Farbe, Quadrat, Linie und Buchstabe sowie Molnars Auseinandersetzung mit Albrecht Dürer, Paul Klee und Sonia Delaunay.

Bis: 03.05.2015



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Ausgabe 4  2015
Ausstellungen Vera Molnar [03.03.15-10.05.15]
Video Video
Institutionen Museum Haus Konstruktiv [Zürich/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Vera Molnar
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