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4.2015




Baden : Konstant in Auflösung


von: Feli Schindler

  
links: André Bless · White Noise, 2015
rechts: Muriel Baumgartner · Wandel/Raben, 2012, Uhr in Tangram zerlegt. Foto: Martina Flury Witschi


Kennen Sie diese Trickfilme, in denen putzige Bienen oder kleine Flugzeuge durch den Himmel schwirren und Wölkchen verpuffen, als gelte es, die zurückgelegten Wege zu visualisieren? André Bless zeichnet genau diese Bahnen nicht nur mit der Fotokamera nach, sondern lässt via Beamer einen Mückenschwarm um eine gekippte Stehlampe schwirren. Das ist witzig anzuschauen, aber auch ziemlich lästig anzuhören: Das Gesumme der Nachtschwärmer liegt einem auf die Dauer derart in den Ohren, dass man den nervösen Tierchen am liebsten eins watschen würde. Spuren hinterlassen oder verwedeln? - so lautet hier die Frage. Sie gilt nicht nur für ein Insektenleben, sondern für die menschliche Existenz schlechthin, passend zur Ausstellung ‹Konstant in Auflösung› der Kuratorinnen Esther Amrein und Andrina Jörg im Trudelhaus. Um Konturen, Überlagerungen, Zersetzung und Vergänglichkeit geht es denn auch in den weiteren Arbeiten der acht Schweizer Künstlerinnen und Künstler an der Oberen Halde. Mit winzigen Webcams zerlegt etwa Timo Ullmann den Blick durch ein Sprossenfenster auf die Gasse und projiziert daraus zufallsgenerierte Bildkombinationen in den Innenraum. Eine tolle Arbeit, die sich konstant verändert (sic!) und im Frühling auf die Blütenpracht des Baums vor dem Haus hoffen lässt.
Irene Naef überlagert aktuelle Flüchtlingsbilder mit historischen Darstellungen auf überdimensionalen, alten Spielkarten. Und auch Peter Fischer stellt das Leben als Spiel dar: Mit einer mechanischen Filmtrommel stellt der Tüftler seine Passion für den guten alten Velosolex unter Beweis. Dass er aber auch liebliche Nymphen und Elfen in einem Ochsner-Eimer entsorgt, lässt auf seine subversive Lust an seltsamen Vorgängen schliessen. Der Coup: Die interaktive Installation nimmt das Publikum zwingend in die Verantwortung bei diesem bösen Spiel.
Sämtliche Arbeiten in der klug konzipierten Schau - von schlichter Schönheit auch Teres Wydlers bakterienzersetzte Planeten - thematisieren letztlich die Vergänglichkeit des Lebens. Mementos, die dennoch nicht in Düsternis enden. Oder haben Sie schon einmal Raben gesehen, die sich aus Zifferblättern zusammensetzen und ihre wunderbar dekora­tiven Schnäbel im Uhrzeigersinn wetzen? Muriel Baumgartner bringts auf den Punkt: Die Zeit läuft. Aber sie tut es lustvoll.


Bis: 26.04.2015



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Ausgabe 4  2015
Ausstellungen Konstant in Auflösung (M. Baumgartner, A. Bless u.a.) [27.02.15-26.04.15]
Institutionen TRUDELHAUS Ausstellungsraum [Baden/Schweiz]
Autor/in Feli Schindler
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