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4.2015




Genève : Christian Bernard


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Mounir Fatmi · Le Paradoxe, 2003, Mamco. Foto: Ilmari Kalkkinen ©ProLitteris
rechts: Valentin Carron · Square Guitar, 2001, Akustische Gitarre, Holz, Mechanik, Fonds d'art cont. de l'Etat de Genève. Foto: Serge Frühauf


Eine Epoche neigt sich ihrem Ende zu. Christian Bernard verantwortet diesen Frühling zum letzten Mal das Programm im Musée d'art moderne et contemporain/MAMCO in der ehemaligen Société genevoise d'instruments de physique. Abgesehen von der nachgebauten Wohnung des Kritikers und Sammlers Ghilain Mollet-Viéville, dem Atelier Sarkis und den verschiedenen Werken in situ - darunter die wieder eröffnete Höhle Sylvie Fleurys! - bespielt er das 1994 unter seiner Leitung eröffnete, 4000m² umfassende Ausstellungsloft nochmals vollkommen neu. Elf unter seiner Ägide entstandene monografische Positionen zeigen dabei «Entdeckungen von gestern» von Kunstschaffenden, «die sich heute bestätigen». Gleichsam mit der Schärfe der früher in den gleichen Räumen hergestellten Messgeräte grenzen sich die einzelnen Schaukonzepte voneinander ab. So reichen sie von auf bestimmte Werkphasen konzentrierte Retrospektiven, während Jahrzehnten verfolgten Typologien über serielle Werke und Werkserien bis zu bedeutenden Einzelwerken. Hinzu kommt eine Auslese von Arbeiten aus dem FRAC Île de France, die Bernard diesem anvertraut hatte. In verdunkelten Sälen vereinigt sie Werke, die eher auf verborgene Bedeutungen verweisen, aber wie der Titel ‹After Dark› vorwegnimmt, damit auch Hoffnung auf Klärung in sich bergen.
Auch das Musée Rath wird noch einmal ganz durch das kuratorische Genie Bernards geprägt. Im Rahmen des institutionenübergreifenden Festivals zum 20. Geburtstag des MAMCO streift er dort für die Schau ‹Biens publics› durch sämtliche öffentliche Genfer Sammlungen zeitgenössischer Kunst (MAMCO, MAH, Stadt, Kanton). Neben der fast zwingenden Inszenierung von Glanzstücken wie dem frühen Tony Cragg oder dem riesigen Mario Merz hat er dabei auch der substantiellen Präsentation der Deutschschweizer Künstlerinnen Miriam Cahn, Hannah Villiger und Silvia Bächli auffallend viel Platz eingeräumt. Vor allem aber hat Bernard die Gelegenheit beim Schopf gepackt, die verschiedenen Generationen der Szene im Welschland von ECART über M2 bis Valentin Caron und Mai-Thu Perret aufschlussreich miteinander in Bezug zu setzen, indem er Räume geschaffen hat, die wunderbar Abstraktes bis Postabstraktes vereinigen, engagierte Kunst versammeln und in Design und in Musik übergreifende Werke verbinden.

Bis: 10.05.2015



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Ausgabe 4  2015
Ausstellungen Des histoires sans fin (A. Bernhart, F. Dilasser u.a.) [18.02.15-10.05.15]
Institutionen Mamco Genève [Genève/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
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