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Hinweis
4.2015




Vaduz : Malerei


von: Karlheinz Pichler

  
links: Rachel Lumsden · Homeland Security - Acid Rain, 2002, Öl auf Leinwand
rechts: Velimir Ilisevic · Duett, 2012, Öl auf Leinwand


Seit Cornelia Kolb-Wieczorek 2013 die Geschäftsführung übernommen hat, hat sich die Ausrichtung der Galerie am Lindenplatz stark gewandelt. Ursprünglich auf konstruktive und konkrete Kunst, Zero und klassische Bildhauerei fokussiert, scheut man sich jetzt nicht mehr, auch gegenständliche und figurative Kunst zu präsentieren. In der aktuellen Schau spiegelt sich anhand von fünf Statements die Bandbreite der neuen Positionierung wider.
Die in London und St.Gallen lebende Künstlerin Rachel Lumsden (*1968, Newcastle upon Tyne) zeigt mit ‹Cat's Cradle› und ‹Acid Rain› aus der Serie ‹Homeland Security› zwei grossformatige Öl-auf-Leinwand-Arbeiten. Sie sind in «typisch britischer Farbigkeit» gehalten, wenn man sich etwa das dominierende Orange in ‹Acid Rain› (Saurer Regen) vor Augen hält, und sie wirken gleichermassen schwebend leicht wie auch verstörend. Lumsden selbst sagt, dass ihre ­malerische «Matrix» urban geprägt sei. Dennoch kommen ihre Bilder mitunter märchenhaft entrückt und entfremdet daher.
Obwohl der kroatisch-schweizerische Maler Velimir Ilisevic (*1965; Sisak) mit dem «langsamen» Medium Öl arbeitet und die Farbe dick und pastös aufträgt, wirken seine Gemälde frisch und spontan. Die meist erkennbaren Motive holt er sich aus der Natur oder den Erinnungen an seine ehemalige Heimat Kroatien. Trotz der realen Bezüge steht aber immer die Malerei als autonomer Prozess obenauf.
Mit einem wulstig-cremigen Acrylauftrag «rockt» auch Stéphane Kropf (*1979, Lausanne) bei seiner in einem bräunlichen Weiss gehaltenen Serie ‹Dude Incredible› die Leinwände. Den Titel des Zyklus scheint er vom gleichlautenden letzten Album der Chicagoer Post-Hardrock-Band Shellac entlehnt zu haben. Kropf steht für eine malerische Position, die sich, zeitgemäss mit den Möglichkeiten des Mediums befassend, in seriellen Anordnungen immer wieder mit den möglichen Verhältnissen zwischen Farbe, Fläche und Raum beschäftigt.
Leif Trenkler (*1960, Wiesbaden) ist der «Neuen Figuration» verhaftet. Speziell in seinen Pool-Bildern erinnert er an «Altmeister» wie etwa Edward Hopper und vor allem David Hockney. Die von ihm gemalten realen Räume wirken sphärisch entrückt und mitunter befremdlich.
Vom Walliser Nilio Sonego (*1955, Sion) sind drei Beispiele seiner Langzeitreihe ‹Orizzon­taleverticale› zu sehen, die im Titel auf die sehr farbintensive Linienführung verweisen. Sonego beschränkt sich auf das mathematische Formschema des Rechtecks. Da er aber die Farblinien mittels Spraydose auf die Leinwand sprüht, ist der malerische Prozess ein spontan-expressiver wie auch meditativer Vorgang, der keinerlei Unterbrechung toleriert.

Bis: 11.04.2015



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Ausgabe 4  2015
Ausstellungen Malerei - Zwischen Gegenstand und Abstraktion [19.02.15-11.04.15]
Institutionen Galerie am Lindenplatz [Vaduz/Liechtenstein]
Autor/in Karlheinz Pichler
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