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4.2015




Winterthur : Karl Jakob Wegmann


von: Lucia Angela Cavegn

  
links: Karl Jakob Wegmann · Ohne Titel, 1992
rechts: Karl Jakob Wegmann · Ohne Titel, 1986


Die von Gabrielle Boller kuratierte Ausstellung im Kunstmuseum Winterthur erinnert an einen Zürcher Künstler des 20. Jahrhunderts, der sich zeitlebens wenig um die Vermarktung seines Schaffens kümmerte und mit Vorliebe in heruntergekommenen Herrschaftshäusern wohnte. Der gebürtige Glarner Karl Jakob Wegmann (1928-1997) hatte nach einer Lehre als Buch- und Textildrucker von 1947 bis 1949 die Kunstgewerbeschule Zürich besucht und galt - wie im Aufsatz von Paul Nizon ‹Zürcher Schule der kleinen Wahnwelt› beschrieben - in der Lokalszene als Kultfigur. Die Ausstellung mit den rund zwei Dutzend Bildern aus den Achtziger- und Neunzigerjahren konzentriert sich auf das Spätwerk des Künstlers. Hinzu kommen einige Notizbücher, eine Art Werkverzeichnis, das der Künstler mit handschriftlichen Notizen und Skizzen anlegte. Wegmanns Malerei enthält gestische und geometrische Elemente, gelegentlich auch Anflüge von Gegenständlichkeit. Die ganz aus dem malerischen Prozess heraus entwickelten Bilder besitzen eine poetische Leichtigkeit und Nonchalance. Die partiell unbemalt belassene weisse Grundierung, mitunter vergilbt und patiniert, hinterfängt die Komposition mit reinen Farben. Zwei Malereien hinter bzw. auf transparentem Träger verweisen nicht nur auf eines seiner Hauptwerke, die Gestaltung von Glastafeln für die Kantonsschule Glarus, sondern erklären auch, warum die monochromen Formen bei Wegmann so präzise gesetzt sind. Einzelne Gestaltungselemente hat der Künstler immer wieder aufgegriffen und variiert. Diese dienen nun als Leitmotive für die Schau in drei Ausstellungsräumen. Aus dem harmonischen Zusammenspiel der Bildvariationen erschliesst sich die Arbeitsweise des Künstlers, der seine Farben aus reinen Pigmenten selbst anrieb und meist nachts bei elektrischem Licht arbeitete. Er experimentierte intuitiv mit Farben, setzte sie gekonnt zueinander und zur weissen Grundierung. 1959 wurde er von Manuel Gasser in der Kulturzeitschrift DU zu den zwölf wichtigsten Nachkriegshoffnungen junger Schweizer Kunst gezählt. Doch erst in den Achtzigerjahren wurde er mit Einzelausstellungen im Kunsthaus Glarus und im Zürcher Helmhaus bedacht. 1995, zwei Jahre vor seinem Ableben, erhielt er im Helmhaus dann eine zweite, umfassende Würdigung. Mit der Winterthurer Ausstellung und der neu erschienenen Monografie von Ludmila Vachtova ist Karl Jakob Wegmann ins Bewusstsein der Kunstwelt zurückgekehrt.

Bis: 06.04.2015


‹Karl Jakob Wegmann - Die Signatur des Ehrlichen›, Ludmila Vachtova, Scheidegger & Spiess, Zürich, 2015



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Ausgabe 4  2015
Ausstellungen Karl Jakob Wegmann [31.01.15-06.04.15]
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Institutionen Kunst Museum Winterthur [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Lucia Angela Cavegn
Künstler/in Karl Jakob Wegmann
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