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Besprechung
5.2015


Fritz Balthaus :  Die Ausstellung ‹Fit for Purpose› zeigt unterschiedliche Zielsetzungen zu Bedingungen von Leben und Kunst. Aber was bedeutet es, wenn der gesellschaftliche Auftrag zur «Kunstfreiheit» selbst Funktion und Zweck geworden ist? Ist sogar der Zweck «Selbstzweck» geworden: purpose for the purpose?


Glarus : Pure Pose Purpose


  
links: Haegue Yang · Three Folds and Multiple Twists, 2013, Aluminium-Jalousien, Aluminium-Konstruktion, Stahl, Stahlkabel, Plastik, Elektronik, Courtesy Galerie Wien Lukatsch, Berlin. Foto: Gunnar Meier
rechts: Ausstellungsansicht Kunsthaus Glarus, mit: Valentina Stieger · Fit for Purpose (retail fantasy), 2014/ 2015; Polished Performance, 2015. Magali Reus · Lukes (Swamp Buggy), 2014. Adam Cruces · Forms of Continuity in Space and Time, 2015. Magali Reus · Parking (Paragraph), 2014. Foto: Gunnar Meier


Das Kunsthaus des Architekten Hans Leuzinger legt den ausgestellten Bildern und Objekten noch posthum die passenden Räume nahe: Im Parterre des Seitenlichtsaals präsentiert die Kuratorin Sabine Rusterholz lichtdurchlässige Objekte, im Oberlichtsaal blickdichtere Werke. An der Decke des Tageslichtraums hängt die kinetische Jalousieninstallation ‹Three Folds and Multiple Twist› von Haegue Yang, so, als wären diese Sichtblenden von den beiden Fensterfronten aus mitten in den Raum getanzt. Im selben Raum werfen vier PET-Flaschen von Gina Folly als bizarr geformte Wasserlinsen das gebündelte Sonnenlicht auf den Museumsboden und werden zu einer ‹Work/Life Balance›. Daneben scheint ‹Highly Liquid›, ein Slowmotion-Video von Magali Reus, eine alte Bildhauerregel zu statuieren: «Giesst man Wasser über den Scheitelpunkt einer in Arbeit befindlichen Statue, sollten das Gesicht und der Torso möglichst grossflächig nass werden, um schön zu sein.» Lupenreine Wassertropfen laufen über das Gesicht und den Körper des lebenden Models und nur wenige Stellen bleiben trocken. Im Oberlichtsaal findet die kunsthistorische ‹Raumfahrt› eines Reinigungsroboters von Adam Cruces statt. Auf ihm ist die 3-D-Kopie ‹Unique Forms of Continuity in Space› von Umberto Boccioni montiert und «fegt» so aberwitzig durch den Ausstellungsraum. Dabei nimmt sie Kontakt zu drei weiteren Installationen auf, auch zur titelgebenden Arbeit ‹Fit for Purpose›, 2014/15, von Valentina Stieger.
Gebäude, Gefässe und Gegenstände scheinen weiterhin «Formen» für «Inhalte» bleiben zu wollen, auch wenn Marshall McLuhans Kultbuch von 1965 aus «Medien» längst «Messages» werden liess. Wie weit vorausschauend der bewusst beibehaltene Druckfehler «Massage» anstelle von «Message» von McLuhan war, wird angesichts dieser Ausstellung noch einmal klar. Wie sonst wären «energetisierende Wassersteine» in PET-Flaschen und stimmungsaufhellende ‹True Lights› in Kunsträumen anders zu verstehen denn als die prognostizierte Sinnenmassage eines McLuhan? Aus den minimalen Essenzen eines Designs für Gesundheit, Glück und Askese scheint die Kunst «Minimalismus» zu machen. Das wirkt etwas kurz gegriffen, denn die Schlüsseldisziplin der zeitgenössischen Kultur ist sicher nicht Objektdesign, auch nicht Kunst, sondern das komplexe formbildende Multimedium «Geld». Nach dessen einflussreichen Zwecken tanzen alle Teilnehmer ihre unterschiedlichen Tänze, auch in den so wunderbar objektverliebten Räumen des Kunsthauses Glarus.

Bis: 03.05.2015



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Ausgabe 5  2015
Ausstellungen Fit for Purpose (R. Buchanan, A. Cruces u.a.) [08.02.15-03.05.15]
Video Video
Institutionen Kunsthaus Glarus [Glarus/Schweiz]
Autor/in Fritz Balthaus
Künstler/in Ruth Buchanan
Künstler/in Adam Cruces
Künstler/in Gina Folly
Künstler/in Karin Hueber
Künstler/in Valentina Stieger
Künstler/in Haegue Yang
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