Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
5.2015


Hans-Dieter Fronz :  Die Gewichte in der Welt verschieben sich. China wird Grossmacht, Indien und Brasilien folgen mit Abstand. Ökonomisch setzt gar ein ganzer Kontinent - Afrika - zum Sprung an. Dort entwickelt sich auch eine neue, weltoffene und bestens informierte Generation von Unternehmer/innen und Designer/innen.


Weil am Rhein : Making Africa - A Continent of Contemporary Design


  
Cyrus Kabiru · Brillen, 2015, Ausstellungsansicht Vitra Design Museum. Foto: Mark Niedermann


Die aufregenden Entwicklungen im afrikanischen Design nimmt das Vitra Design Museum zum Anlass für eine umfangreiche Ausstellung, in welcher der Schwarze Kontinent als Experimentierfeld für vielfältige neue Ideen und Entwicklungen zutage tritt: von Architektur und Möbeldesign über Mode bis hin etwa zu Emoticons, welche die Agentur Oju Africa in Mauritius speziell für Menschen in Afrika entwickelt hat. Die schiere geografische Grösse des Kontinents veranschaulicht eine Grafik. Locker passen China, die USA, Indien, Japan sowie beträchtliche Teile Europas in den riesigen Bauch. Umfangreiche Recherchen gingen voraus. Zwei Jahre lang bereiste die Kuratorin Amelie Klein den Kontinent, besuchte Metropolen und Regionen, veranstaltete Think Tanks und führte Interviews mit mehr als siebzig Designern, Künstlerinnen, Wissenschaftlern. Als beratender Kurator fungierte Okwui Enwezor.
Gleich im ersten Saal laufen die Interviews auf drei grossen Screens. Bewusst sollen so die Sichtweisen und Perspektiven der Akteure auf dem Kontinent einbezogen werden. Die am Beginn des Parcours positionierten fremdartigen bis schrillen Brillengestelle, mit denen der kenianische Künstler Cyrus Kabiru international bekannt wurde, wirken wie ein Sinnbild dieses Perspektivenwechsels. Kunst und Mode, Performance und Design durchdringen sich in den Schöpfungen aus Abfallmaterialien.
Einen Überblick über die gegenwärtige Architektur liefert David Adjaye mit seiner Dia-Show ‹Urban Africa Project›. In einem Zeitraum von zehn Jahren besuchte er über fünfzig Städte und hielt urbanen Glanz und Verfall fest. Als fantasievoller und farbenfroher Gegenentwurf zu westlich inspirierten, gesichtslosen Repräsentationsbauten erscheint Bodys Isek Kingelez' futuristisches Modell ‹Étoile Rouge Congolaise›. Höchst gelungen mutet auch der Schuh ‹Tokeria› aus Segeltuch von Karo Apkopiere für die Marke Bucketfeet an, der afrikanische Muster mit der Ästhetik japanischer Holzschnitte verschmilzt - der erste Auftrag der amerikanischen Firma an einen afrikanischen Designer. Als politische Anspielung auf die Befreiung des Kongo von belgischer Kolonialherrschaft ist Yinka Shonibares Damenschuh ‹Cha Cha Cha› zu verstehen, während Gonçalo Mabundos Thron aus rostigen Waffen auf den Bürgerkrieg in Mosambik weist, wo diese verwendet worden waren. Dagegen wirkt der Stuhl von Yinka Iloris mit dem der Genesis entlehnten Titel ‹Let there be light› mit lädierter Rückenlehne und aufgepfropfter Kerze geradezu verspielt.

Bis: 13.09.2015



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 5  2015
Ausstellungen Making Africa - A Continent of Contemporary Design [14.03.15-13.09.15]
Institutionen Vitra Design Museum [Weil am Rhein/Deutschland]
Autor/in Hans-Dieter Fronz
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=150423175549WYQ-15
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.