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Hinweis
5.2015




Basel : Cézanne bis Richter


von: Hans-Dieter Fronz

  
links: Paul Cézanne · Cinq baigneuses (Fünf Badende), 1885/87, Öl auf Leinwand
rechts: Gerhard Richter · Verkündigung nach Tizian, 1973, Öl auf Leinwand


Das von Bernhard Mendes Bürgi unter dem unaufgeregten Titel ‹Cézanne bis Richter - Meisterwerke aus dem Kunstmuseum Basel› im Museum für Gegenwartskunst arrangierte Meeting ausgewählter Gemälde will mehr sein als ein x-beliebiges Potpourri bedeutender Werke: eine stringente kleine Geschichte der Moderne in Bildern. Grund für das über einjährige Gastspiel des Kunstmuseums in seiner tiefer gelegten Gegenwarts-Filiale ist die vorübergehende Schliessung des Museums infolge von Sanierungsarbeiten sowie der Anbindung eines noch in der Entstehung befindlichen Neubaus.
Am Leitfaden der Chronologie sollen die wesentlichen künstlerischen Entwicklungen von der Klassischen Moderne bis zur Gegenwart anschaulich nachgezeichnet werden; sichtbar werdende Einflüsse und Kausalitäten überdecken nicht die Gleichzeitigkeit des Verschiedenen, wie sie für die Moderne so charakteristisch ist. Eine Geschichte der Moderne auch als Ursprungsgeschichte: Am Ende ist sie das kühne Projekt eines Fähnleins revolutionärer Künstler/innen in Paris, dem Paul Cézanne, ihr eigentlicher Stammvater, von seiner provenzalischen Heimat aus verbunden ist. Für Cézanne ist das Bild nicht Spiegel und Abbild des Realen, sondern eine Ordnung parallel zur Natur bzw. Wirklichkeit, die Bildrealität somit durch und durch konstruiert. Komposition und Bildstruktur wiegen in ‹Fünf Badende› von 1887 schwerer als die anatomische Richtigkeit der Figur. Nach dem Vorbild Cézannes zerlegen dann Picasso und die Kubisten die Realität und konstruieren sie im Bilde neu. Der Kubismus wirkt darin fort bis zur geometrischen Strenge der pyramidal sich auftürmenden Figurengruppe von Oskar Schlemmers ‹Frauentreppe› oder den rechtwinkligen Abstraktionen Mondrians und van Doesburg. Noch Modiglianis Porträts sind durch die Schule der Kubisten gegangen.
Eine zweite Linie führt von van Gogh zu deutschen Expressionisten wie Paula Modersohn-Becker, Franz Marc und Kirchner oder Kandinsky. Reizvoll sind thematische oder gattungsmässige Bezüge wie in der exeptionellen Trias von Selbstporträts van Goghs, Böcklins und Hodlers. Und über die Saalgrenzen hinweg liesse sich sogar eine hervorragende kleine Entwicklungsgeschichte moderner Landschaftsmalerei zusammenstellen - mit Werken von Pissarro, Cézanne, Renoir, Monet, Hodler, Kirchner, Max Ernst...

Bis: 21.02.2016



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Ausgabe 5  2015
Ausstellungen Cézanne bis Richter [14.02.15-21.02.16]
Institutionen Kunstmuseum Basel/Gegenwart [Basel/Schweiz]
Autor/in Hans-Dieter Fronz
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