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5.2015




Freiburg/B : Kante zeigen?


von: Yvonne Ziegler

  
links: Johanna von Monkiewitsch · Ohne Titel, 2008, Pigmentdruck auf Hahnemühle, gefalzt und gerahmt, 60x80 cm, Courtesy Galerie Berthold Pott, Köln. Foto: Bernhard Strauss
rechts: Terry Haggerty · Two Halves, 2011, Acryl auf Leinwand, 85x280 cm, Courtesy von Bartha Basel. Michael Reisch · Untitled 14/006, 2012, Archivtintendruck, 120x90 cm, Ege Kunst- und Kulturstiftung. Foto: Bernhard Strauss


Falten könnte man als materielle Ausgleichsreaktionen auf Krafteinwirkungen bezeichnen. Sie erfolgen auf Druck, ergeben sich durch Schwerkraft und Gewicht, haben massgeblich mit Oberflächenelastizität und Materialbeschaffenheit zu tun: Lachfalten, Gebirgsfaltungen, Bügelfalten, zerknülltes Papier etc. Volumen kann durch Faltung minimiert, eine Fläche hingegen aufgebauscht werden. Eine spannende Ausstellung im Kunstraum Alexander Bürkle geht unterschiedlichen Ansätzen der Faltung in der zeitgenössischen Kunst nach. Dabei wird augenscheinlich, dass insbesondere Handlung und Produkt des Faltens sowie Möglichkeiten des Trompe l'oeil von künstlerischem Interesse sind.
Schirin Kretschmann (*1980, Karlsruhe) faltet weisses Papier mehrfach, sodass nach dem Glattstreichen Linien zurückbleiben, die eine komplexe Struktur ohne Stift zeichnen, ästhetische Gebilde, entstanden aus der Materialität des Papiers und der Handlung des Faltens. Simon Schubert (*1976, Köln) bedient sich eines Lineals, um anhand von feinsten Abdrücken, Einfaltungen und Knicken eine Wiedergabe des einstigen Sternsaals des Berliner Schlosses mit funkelndem Kronleuchter zu kreieren. Mit ähnlichen Methoden können demnach flache Muster oder illusionistische Räume entstehen. Mariana Castillo Deball (*1975, Mexiko-Stadt)nimmt Papiere, auf denen die Bildlegende einer Stammesmaske steht, und faltet Grundzüge des fehlenden Abbildes nach. Zur Leerstelle des weissen Papiers treten Bildbeschriftung und -interpretation hinzu. Geknicktes Papier ist auch ein beliebtes Motiv von Fotografien, da sich durch Faltung besondere Licht- und Schattenverteilungen ergeben, Formen verzerrt erscheinen oder reale Falten hinzugefügt werden können. Wird die Fotografie an denjenigen Stellen gefaltet, an denen das Papier geknickt war, so verdichten sich die Wirklichkeitsebenen nochmals (Johanna von Monkiewitsch). Die illusionistische Darstellung von Knick- und Raumfalten durch Malerei zeigen Terry Haggerty (*1970, London) und Enrico Bach (*1980, Leipzig), während Alison Moffett (*1979, Knoxville) das Aussehen eines glattgestrichenen Millimeterpapiers täuschend echt nachzeichnet. Den Materialeigenschaften von Metall widersprechend lässt sich auch dieses falten und zusammenknüllen. Die Auswahl betont - der konkret-abstrakten Ausrichtung gemäss - strenge, sachlich komponierte Faltungen, gibt jedoch durch Fotografien von Tamara Cricic (*1964, München) Ausblick auf das Feld vorgefundener, sinnlich fallender Falten.

Bis: 21.06.2015



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Ausgabe 5  2015
Ausstellungen Einknicken oder Kante zeigen? [22.03.15-21.06.15]
Institutionen Kunstraum Alexander Bürkle [Freiburg/B/Deutschland]
Autor/in Yvonne Ziegler
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