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Hinweis
5.2015




Paris : Jérôme Zonder


von: J. Emil Sennewald

  
Jérôme Zonder · Fatum, 2015, Ausstellungs­ansichten Maison Rouge. Fotos: Marc Domage


Inmitten der Woche, die Paris ganz der Zeichnung widmet - mit den Messen Drawing Now, DDessin und dem Salon du dessin - lädt Jérôme Zonder (*1974) zur Reise ins Innere der Zeichnung ein. Sehr beeindruckend hat der Künstler, der seit über zehn Jahren ausschliesslich Zeichner ist, Korridore und Säle der Maison Rouge in ein All-Over verwandelt. Er wolle «Zeichnung räumlich erfahrbar machen», erklärt er. Und führt die Besuchenden in die Innereien, die körperliche Materialität der Zeichnung. Virtuos wechselt er zwischen Fotorealismus und Disney-Stil, entwickelt eine Raumfolge wie ein Filmset. Oder wie einen düsteren Vergnügungspark, einen «parc d'attraction». Attraktion der Linie, Anziehungskraft der Zeichnung, den Zug der Linie, das «to be drawn» ist Zonders Kernthema. Schritt für Schritt führt er in die Tiefen des grafisch Unbewussten. Auf mit Zeichnungen überwucherten Wänden hängen gerahmte Grusel- und Reptilienbilder, sie erzählen wie Marsyas vom appollinischen Alptraum des Ästhetischen. Und von Häutung. Zonder verbindet kollektives Imaginäres und persönliche Entwicklungsgeschichte, wühlt sich mit dem Zeichenstift durch Bilder voll moderner Gewalt und dantesker Verzweiflung. Ihm «geht es um beide Eigenschaften der Zeichnung: um Bild und Körper, um Imagination und Geste».
Wendepunkt in der Maison Rouge ist ein Saal voller Zeichnungen, bestehend aus mit den Fingern aufgetragenem Graphit, nach Fotos gearbeitet. «Nie auf Projektionen», verrät Zonder, «sondern nach dem alten Verfahren der Quadranten. Mir geht es um die Übertragung des Bildes in die Zeichnungen, nicht um die Reproduktion von Bildern.» Dass er hierfür ausgerechnet von Auschwitz-Häftlingen heimlich aufgenommene Fotografien ausgewählt hat, die schon Georges Didi-Huberman als «Bilder trotz allem» identifizierte, mag illustrativ wirken. Im Ablauf des Rundgangs - dessen Fortsetzung hier nicht verraten wird - ist es logisch. Zonder musste, durch direkte Berührung, durch Fingerzeig, am Nullpunkt der Bilder ankommen. Erst dann war der Weg frei, um weiter zur «inkarnierter Zeichnung» vorzudringen. Das Projekt «Fatum», Schicksal, Etappe einer Tiefenbohrung im Grafischen, hat eine vielversprechende, wenn auch dunkle Zukunft.


Bis: 10.05.2015



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Ausgabe 5  2015
Ausstellungen Mathieu Briand, Jérôme Zonder [19.02.15-10.05.15]
Institutionen La Maison rouge [Paris/Frankreich]
Autor/in J. Emil Sennewald
Künstler/in Jérôme Zonder
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