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5.2015




Rapperswil : Vera Singer und dekern


von: Nicola Schröder

  
links: Vera Singer · Epilog VIII, Mischtechnik, 1990
rechts: Vera Singer und dekern · Mauerfall und Bilder­reisen, Ausstellungs­ansicht mit Trabant-Limousine P 601 L, 1975, Kunst(Zeug)Haus Rapperswil ©ProLitteris. Foto: P. Röllin


Mit den Bildern von Vera Singer (*1927, Berlin) sind in Rapperswil Dokumente künstlerisch gelebter Geschichte eingezogen. Zwar vermitteln weder die gedeckte Farbpalette noch ihre strukturierte Pinselführung im ersten Moment das Bild einer besonders bewegten Persönlichkeit. Doch ihre reduzierte, demonstrative und gegenständliche Bildsprache öffnet den Zugang zu einer bewegten Welt. Dazu zählt auch die betonte Alltäglichkeit in der Darstellung von Motiven wie werktätigen Menschen, darunter namentlich ‹Schlosser Oswald May›, 1969, oder ‹Frau Tietze, Materialausgabe›, 1969, die eine tiefgehende Verbindung ausdrückt. Singer war bekennende Bürgerin der DDR. Geboren als Vera Adler war die Jüdin 1939 nach Frankreich und später in die Schweiz emigriert, zeitweise lebte sie in Rapperswil. Sie studierte an der damaligen Kunstgewerbeschule Zürich und lernte Hans Singer kennen, der sich - ebenfalls aus Deutschland geflohen - bereits als Student an der ETH gegen den Nationalsozialismus engagierte. Als Ehepaar gingen Singers 1948 zur aktiven Mitwirkung am Kommunismus nach Ostdeutschland. Hans Singer wurde 1969 Generaldirektor der VEB chemische Werke BUNA in Halle.
Tatsächlich muss man weder diese groben Eckdaten noch die Einstellung Vera Singers zum Mauerfall kennen, um sie aus den Schlüsselwerken der Ausstellung herauszulesen: Die Reihe ‹Epilog› skizziert Gruppen von Menschen, deren Gesichter angesichts der täglichen Nachrichten zur Wendezeit vor allem Zweifel und Ratlosigkeit bedeuten. Singer schickte ihre wichtigsten Bilder damals nach Rapperswil, ins zweite Schweizer Exil.
In der Art eines Kontrapunkts stehen den Werken heute in der Ausstellung Bilder von Thomas Kern (*1970, Radeberg) alias ‹dekern› gegenüber. Kern gehört einer jüngeren Generation an, ist ein Teenager, als die Mauer fällt, und trägt den Geist jugendlicher Revolte und des Aufbruchs mit sich. Die Bildsprache des Autodidakten ist trotzig, provokant dilettantisch und demonstrativ unangepasst. In bunter Mischtechnik aus Sprühdose, Pinsel und Stiften hat er sich einen intuitiven, streetartnahen Stil geschaffen, der nicht zuletzt wegen seiner Wort-Einsprengsel beim Comic anknüpft. Als ‹Rausmalen› betitelt Kern selbst, was ihn auch heute noch umtreibt und womit er Umgebungsgeräusche und Eindrücke reproduziert, die vom Punk, besetzten Häusern, viel Krach und dem Freiraum der Wende zu erzählen scheinen.

Bis: 17.05.2015



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Ausgabe 5  2015
Ausstellungen Vera Singer/dekern: Mauerfall und Bilderreisen [01.03.15-17.05.15]
Institutionen IG Halle im Kunst(Zeug)Haus [Rapperswil-Jona/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
Künstler/in Vera Singer
Künstler/in Thomas Kern
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