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5.2015




Zürich : Jan Jedlička


von: Sibylle Omlin

  
links: Jan Jedlička · Ausstellungsaufnahmen Galerie Wenger, 2015. Foto: Reto Kaufmann
rechts: Jan Jedlička · Ausstellungsaufnahmen Galerie Wenger, 2015. Foto: Reto Kaufmann


Die Auseinandersetzung mit dem Thema der Landschaft spielt im Werk von Jan Jedlička (*1944, Prag) seit Ende der Siebzigerjahre eine zentrale Rolle. Sein künstlerisches Schaffen nährt sich dabei besonders von der Maremma, jener halb von Menschen geschaffenen Küstenlandschaft in der südlichen Toskana. Die Elemente der Landschaft sind geprägt durch die Urbanisierungsarbeiten früherer Jahrhunderte, als in den Sümpfen zwischen Land und Meer Entwässerungskanäle und Dämme angelegt wurden - einige funktionieren bis heute, andere wurden aufgegeben.
Es geht dem Künstler aber auch um eine geistige Dimension dieses Landstrichs: Wie sich im Laufe der Geschichte Mensch und Landschaft miteinander entwickelt haben und wie sich diese Vergangenheit in das heutige Angesicht der Landschaft eingeschrieben hat.
In der Tat ist die langjährige Beschäftigung mit immer demselben Landstrich ein Nachsinnen über dessen Phänomene, Farben und Lichtverhältnisse; ein langsames, fast körperliches Suchen nach Natur, Licht, Schatten.
Jedlička sammelt in der Maremma (wie auch in Irland oder der Prager Umgebung) Erde und Gestein, um daraus im Atelier Pigmente herzustellen, die er auf einer mit Japanpapier beschichteten Leinwand in freien Formen sedimentieren lässt. Schwer fassbare Elemente wie das reflektierte Licht auf dem Wasser bedürfen der technischen Transformation durch die Kamera oder die Mittel der Druckgrafik (Heliogravur und Mezzotinto). Die Basis für ein Sujet in Photosiebdruck war gar das handfeste Eingreifen des Künstlers in die Landschaft. Mit einem verschmitzten Lächeln erzählt er, wie er eines Tages nach einer langen Trockenperiode eine Schleuse öffnete und das Wasser in die aufgesprungene Lehmkruste fliessen liess. Die Kreise, die sich am zweiten Tag zufällig gebildet hatten, hat er dann fotografiert und für die Siebdrucke verwendet. Die Mezzotinten dagegen sind von Hand in einem langwierigen trockenen Verfahren hergestellt. Auf den aufgerauten Kupferplatten wird das Licht mit einem Polierstahl geduldig und minutiös herausgearbeitet, ‹entwickelt› wie Jedlička es nennt.
Die körperliche Anstrengung bei all diesen Arbeitsprozessen - Farbenherstellung, Plattenvorbereitung, lange Streifzüge mit der Kamera - nimmt Jedlička gerne in Kauf. Die Resultate aus den langwierigen Verfahren sind oft erstaunlich: die Strahlkraft der Pigmente, das tiefe Schwarz der Mezzotinten und Heliogravuren, das vielschichtige Grau auf der Leinwand.
Jedlička ist fasziniert vom steten Wandel der Phänomene, die sich in jedem Moment neu entfalten. Das Hinterfragen der sichtbaren Oberfläche der Wirklichkeit ist bei ihm tief eingegraben. So werden die achtsamen Bewegungen im Landschaftsraum, das genaue Festhalten der Dinge und ihre mediale Verwandlung elementare Bausteine seiner Kunst, die uns stets von neuem in Bann ziehen.

Bis: 22.05.2015



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Ausgabe 5  2015
Ausstellungen Jan Jedlicka [21.03.15-30.05.15]
Institutionen Galerie Wenger [Zürich/Schweiz]
Autor/in Sibylle Omlin
Künstler/in Jan Jedlicka
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