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Besprechung
6.2015


Nicola Schröder :  ‹Dude, I Dunno Why But I Like Your Mess› ist derzeit in riesigen Lettern an einer Ausstellungswand des Kunstmuseums St.Gallen zu lesen. Beni Bischof bringt damit selbst auf den Punkt, was man in seiner ersten grossen Einzelausstellung, die nun durch den Manor Kunstpreis möglich wurde, zu erwarten hat.


St. Gallen : Beni Bischof — No Time to Chill


  
Beni Bischof · Keep Calm and Join The Dark Side, 2015, Installationsansicht St.Gallen. Foto: Stefan Rohner


Mit dem Zitat aus einem Blog stellt Beni Bischof (*1976, Widnau) seine Arbeit als aufreizendes Durcheinander dar. Tatsächlich wirkt es manisch, wie er Produkte aus Medienwelt, Popkultur und Alltag durchpflügt, um hinter sich einen unüberschaubaren Acker aus Bild-, Eindrucks- und Kommentarfetzen zurückzulassen. Damit füllt er die verschiedensten Medien, darunter Zeichnungen, Collagen, Skulpturen, Fotografien, Installationen und Texte.
Die Schau selbst beginnt vergleichsweise überschaubar und führt fast behutsam an das Universum Bischof heran: Ein Schlagstock mit einem Plastikvögelchen ragt aus der Wand, daneben eine grosse gelbe Kunststoff-Faust aus dem 3D-Drucker. Den tempoverschärfenden Wegweiser bildet der gesprayte Schriftzug ‹Fast Simple Smart›: Es folgt ein Kabinett mit zahllosen ungerahmten Zeichnungsblättern. In verschiedenen Techniken, häufig mit Filzstift, hat Bischof dilettantische Figuren, Kalauer, echte oder verdrehte Aphorismen und Werbebotschaften angehäuft, das meiste gespickt mit Ironie oder schwarzem Humor. Sie suggerieren die unbändige Schaffenskraft einer kritischen Künstlerseele, die alles bekritzelt, was ihr unter die Finger kommt. Es folgen trashige Installationen: Mobiles aus Baseballschlägern, Haarteile an Ventilatoren, Boxsäcke und Zigarettenstummel. Ein Gefühl zwischen Belustigung und Beklemmung macht sich breit, das noch gesteigert wird in einer Vollrauminstallation ‹No Time to Chill›, ausgestattet mit Möbeln, einem Fernseher, sehr viel losem Fotomaterial und mehr. Der Eindruck, sich hier in Bischofs Atelier zu befinden, mischt sich schnell mit dem Gefühl, es mit dem Refugium eines Alter Ego zu tun zu haben, das eine starke Affinität zu den Achtzigerjahren hat und sich den Tag mit Zigaretten, Bier und Heavy Metal vertreibt. Warum diese wirre Situation Sympathie erregt, mag damit zusammenhängen, dass sie recht kontrolliert erscheint und in allem eine gewisse Struktur erkennbar ist. Schon die Zeichnungen haben alle dasselbe Format. Das begleitende Buch mit Texten, eine laut plärrende Videoinstallation und selbst die Website Bischofs: Alle sind in der gleichen collageartigen Weise aufgebaut.
So ist bis hin zur letzten Ebene alles ein Spiel mit Klischees, denn deutlich ist die Distanz zu den Dingen sicht- und spürbar. Bischof zieht ungeniert Dinge ins Lächerliche, die gewisse Haltungen oder den schönen Schein symbolisieren, und erzeugt damit eine wechselseitig reflektierende Ausstellungssituation.

Bis: 21.06.2015



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Ausgabe 6  2015
Ausstellungen Beni Bischof [07.02.15-26.07.15]
Video Video
Institutionen Kunstmuseum St. Gallen [St. Gallen/Schweiz]
Autor/in Nicola Schröder
Künstler/in Beni Bischof
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