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6.2015




Digitale Kunst/Projekt des Monats - Shopping Mall


von: Raffael Dörig

  
links: Emanuel Tschumi · Logo für die Ausstellung Shopping Mall, 1998
rechts: Studer/van den Berg · Stillleben aus Still Life Take Away, 1998


Eine Netzkunst-Ausstellung, die seit 17 Jahren geöffnet ist? Ja, die gibt es, obwohl die Schnelllebigkeit des Netzes sprichwörtlich ist. Zu verdanken haben wir dies dem Basler Reinhard Storz. Der Pionier der Netzkunst-Vermittlung hat seit den mittleren Neunzigerjahren Online-Ausstellungen kuratiert und Künstlerinnen und Künstler wie auch Schreibende ermuntert, die Möglichkeiten des neuen Mediums zu erproben und zu reflektieren. Gebündelt hat er diese Aktivitäten auf der Website Xcult.org, wo sie nach wie vor zugänglich sind. Eines der frühen Projekte dort ist die besagte Ausstellung, ‹Shopping Mall›, eröffnet 1998. Das Thema ist eines, das die frühe Netzkultur-Community umtrieb: Einerseits, wie geht man damit um, dass das ursprünglich nichtkommerzielle Netz zunehmend von kommerziellen Akteuren vereinnahmt wird? Andererseits, wie reagiert man auf die digitale Entmaterialisierung des Kunstwerks, auch hinsichtlich einer Verkaufbarkeit? Ein Blick zurück lohnt sich. Das Online-Shopping, das damals neu war, ist heute alltäglich. Neue Formen der Kommodifizierung durchdringen nun unser digitales Leben, etwa der Handel mit persönlichen Daten. Und in der Kunst hält eine junge Generation von Kunstschaffenden/Netzbewohner/innen mit hybriden, digital-physischen Objekten im Markt Einzug.
Die Mitwirkenden der Ausstellung von 1998 begegnen dem Thema spielerisch und mit viel Witz. Bei Monica Studer und Christoph van den Bergs ‹Still Life Take Away› kann der Warenkorb mit Supermarktprodukten gefüllt werden, die das Künstlerpaar zu einem Stillleben arrangiert, das einem anschliessend als Fotodruck gegen Rechnung nach Hause geschickt wird - gleichzeitig parodistisch und handfest. «Entscheiden Sie in Ihrer vertrauten Umgebung und in aller Ruhe, was Ihr persönliches Stillleben einzigartig machen wird.» In anderen Arbeiten steht die Gratiskultur als ein Grundpfeiler des Netzes im Zentrum. So gibt's Bildschirm­hintergründe von Lang/Baumann geschenkt, und RELAX (chiarenza & hauser & co) füllen gar unsere virtuellen Geldvorräte auf.



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Ausgabe 6  2015
Autor/in Raffael Dörig
Link www.xcult.org/all/0tour/shop/2shop.html
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