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Hinweis
6.2015




Vaduz : Blankenstein Heiko


von: Karlheinz Pichler

  
links: Blankenstein Heiko, Lightthing, 2013, Stahl, Polypropylen, Leuchtstoffröhren, Kabel
rechts: Blankenstein Heiko, 67P, 2015, Styropor, MDF, schwarze Farbe


Mehr als zwei Wochen hat der seit vier Jahren in Zürich lebende deutsche Künstler Heiko Blankenstein (*1970, Rheydt) benötigt, um seine ambitionierte Ausstellung ‹Kicked it into the sun› im Kunstraum Engländerbau in Vaduz aufzubauen. Die Vorarbeiten dazu haben schon vor Monaten begonnen. Denn allein die Realisierung der Boden­installation ‹Pb7›, die an ein monumentales, dreidimensionales Gitternetzmodell einer Planetenoberfläche erinnert, war ein riesiges Ringen mit Material und Form. Der Künstler hat sämtliche einzelne Module dieser manuell erstellten 3-D-Paramaterdarstellung, die sich auf einer Grundfläche von 120 Quadratmetern erstreckt, von Hand schwarz bemalt. Betreten wir den riesigen White Cube des Engländerbaus, werden wir von dieser schwarzen, durch weisse Gitterlinien strukturierten Landschaft förmlich «angesaugt». Über der Styroporlandschaft gleisst die Skulptur ‹Leightthing›, die formal an das Plasma erinnert, das entsteht, wenn bei einer Kernfusion Wasserstoff unter unvorstellbar hohem Druck zu Helium verschmilzt.
Schon aus ‹Pb7› und ‹Leightthing› wird klar, wofür sich Blankenstein interessiert: Astronomie, Kosmologie, galaktische Phänomene und astrophysikalische Bedingungen. Folglich wird die zentrale und alles beherrschende Boden­installation von etlichen weiteren Gestirnen umkreist, die teils an der Wand hängen, teils skulptural im Raum platziert sind. So schweben sie denn auf grossformatigen Zeichnungen und Leuchtkästen wie merkwürdige Himmelskörper durch dunkle Räume. Die Tuschezeichnung ‹Deimos›, 2014, etwa vermittelt den Eindruck eines inmitten der Explosion erstarrten Sterns, und die unzähligen Zacken verwandeln den Körper in ein bedrohliches Geschoss, während die mit einer Radiernadel eingeritzte Farbschicht auf einer Acrylglasscheibe in ‹V1489 Cygni Red Hypergiant›, 2013, das Innere eines von Magnetfeldschlaufen durchwobenen Gestirns zeigt. Die hinter der Scheibe montierten Leuchtstoffröhren bringen die ausgekratzten Stellen zum Leuchten. Im Engländerbau scheint das galaktische Zeitalter ausgebrochen zu sein.
Blankenstein spürt mit simplen Mitteln wie Kugelschreiber, Farbstift, Tusche und Radiernadel sowie skulpturalen Anordnungen dem Ursprung der Welt nach. Seine Werke versprühen einen digitalen Hauch, sind aber sämtlich analog gefertigt. Seine Versuchsanordnungen kreisen letztlich auch um ganz elementare Fragestellungen wie etwa die Existenz in Raum und Zeit.

Bis: 21.06.2015



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Ausgabe 6  2015
Ausstellungen Heiko Blankenstein [14.04.15-21.06.15]
Institutionen Kunstraum Engländerbau [Vaduz/Liechtenstein]
Autor/in Karlheinz Pichler
Künstler/in Heiko Blankenstein
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