Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
6.2015




Yverdon : Karim Noureldin


von: Katharina Holderegger Rossier

  
Karim Noureldin · Keliuaisikiqs, 2015, Ausstellungsansichten CACY. Foto: Claude Cortinovis ©Pro Litteris


Karim Noureldins (*1967) Werk wirbelt Klassifierungen durcheinander. Seit 2005 konstituiert sich seine geometrische Sprache fast exklusiv aus der Geraden, die dann oft mit dem Ornamentalen kokettierende Flächen fasst oder Streifen bildet. Dabei sind ihm die Protokolle konstruktiver und minimalistischer Kunst fremd. Sich in feinen Nuancen auf riesigen Papieren wie auch in plakativen Farben in ganzen Architekturen entfaltend, hat seine Kunst indes auch wenig gemein mit der dezidiert auf die Ausstellungsräume abgestimmten Kunst, die sich aus Konstruktivismus und Minimalismus entwickelte. Und ebensowenig vertritt der an der ECAL unterrichtende Schweizer mit ägyptischen Wurzeln eine der analytischen, sarkastischen oder melancholischen Appropriationen der Moderne, wie sie an der ECAL, im Orbit dieser Néo-Géo-Hochburg, omnipräsent sind.
Das Herausfallen aus diesen Diskursen ist vielleicht mit ein Grund, dass sich nach der Soloschau im MAMCO 2005 erst jetzt wieder eine Institution in der Romandie dem Künstler zuwendet, aber wie! So hat Karine Tissot, die Leiterin des CACY für die Schau bei der Denkmalpflege erreicht, dass Noureldin das ganze Kreuzbandgewölbe des im ehemaligen Kornspeicher situierten CACY mit Mineralfarbe bespielen darf. Weiter hat sie zusammen mit der Kunsthistorikerin Marie-Theres Stauffer einen Werkkatalog zu seinen Installationen editiert wie auch ihre eigene Zusammenarbeit mit ihm in einer Monografie reflektiert - und zwar unter kühnem Einschluss der vielgestaltigen Filzstiftskizzen. Mit diesen bereitete sich Noureldin vor, bevor er sich mit sechsköpfiger Assistenz daranmachte, im Hauptraum des CACY mit Streifen in je drei Rot- und Blautönen für Dynamik und Konfusion zu sorgen und den Nebenraum mit multikoloren Polygonen zu sättigen. Trotz des monumentalen und spektakulären Zugs seines Werks stellt ihn Tissot in ihrem Text denn auch dezidiert in die Tradition der introspektiven, musikalischen, zwischen sinnendem Kopf und zeichnender Hand generierten Abstraktion, angefangen mit Kandinski und Klee, welche sich jedoch im gegenwärtigen Kontext das «Monumentale und Spektakuläre nicht verbietet». Nicht zuletzt aber hat sich Tissot auch einen feinen Kontrapunkt erlaubt gegenüber Noureldins energienreichen, doch auch etwas machistisch vom Selbst aus expandierenden Universum. So zeigt sie in den beiden von ihr zusätzlich für die Kunst gewonnenen Theaterfoyers zurzeit auch eine mehrstimmige Freske eines Neuenburger Frauenkollektivs und feministische Illustrationen von Joëlle Flumet.

Bis: 05.07.2015



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 6  2015
Ausstellungen Karim Noureldin [07.03.15-05.07.15]
Institutionen Centre d’art contemporain [Yverdon-les-Bains/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Karim Noureldin
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=150528170248830-33
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.