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Besprechung
7/8.2015


Yvonne Ziegler :  Das Museum für Gegenwartskunst Basel gibt anhand seiner Bestände Einblick in das bahnbrechende Frühwerk des amerikanischen Künstlers Frank Stella. Neben exemplarischen Gemälden sind zahlreiche Zeichnungen zu sehen, welche Ideenfindung, Hintergründe und Vorgehensweisen sichtbar werden lassen.


Basel : Frank Stella - «You see, what you see»


  
Frank Stella · Morro Castle, 1958, Emailfarbe auf Leinwand, 214,2x275x7,2 cm, Courtesy Kunstmuseum Basel ©ProLitteris. Foto: Martin P. Bühler


In seinem letzten Semester an der Princeton University schrieb Frank Stella (*1936) auf eine Leinwand, dass er nicht nach der Natur zeichnen könne. Auch ­seine Gemälde zeigten nichts Figürliches, er malte von Anfang an abstrakt. Zwei frühe, 1958 nach seinem Umzug nach New York entstandene Gemälde sind aus breiten, waagerecht gesetzten Farbstreifen aufgebaut, die von einer rechteckigen Farb­fläche unterbrochen werden. Obgleich abstrakt, haben Stellas Gemälde einen konkreten Ausgangspunkt. Titel wie ‹Seward Park› und ‹West Broadway› verweisen auf reale Orte mit grünem Park und gelben Taxilichtern. Zudem lässt der unregelmässige, teils gestische Pinselauftrag die Dynamik einer pulsierenden Stadt und die Suche nach einer nicht figurativen Darstellung durch Streifen und Farbfelder spürbar werden.
Im Sommer 1959 avancierte Stella mit der Präsentation seiner ‹Black Paintings› in der Galerie von Leo Castello über Nacht zum Shootingstar. Das in Basel gezeigte ‹Morro Castle›, benannt nach einem ausgebrannten Kreuzfahrtschiff, ist das erste dieser aus regelmässig verlaufenden schwarzen Farbstreifen bestehenden Gemälde. Zwischen den schwarzen Streifen schimmert ein dunkelroter Farbton hervor. Die Anordnung von symmetrisch verlaufenden Streifen, aufgetragen mit einem breiten Pinsel, und der Gebrauch von teils schimmernden Industriefarben negierte Vorstellungen von künstlerischem Schöpfertum und irritierte eine Kunstwelt, welche Werke des Abstrakten Expressionismus von Jackson Pollock und Willem de Kooning zu ­sehen gewohnt war. Mit seinen schwarzen, anti-illusionistischen Bildobjekten und der Aussage «Was Sie sehen, ist was Sie sehen» - nämlich Farbe auf Leinwand - ebnete er den Weg zu Minimal Art, Concept Art und Pop Art. Anders als die kühl kalkuliert wirkenden Gemälde offenbaren Stellas Zeichnungen dynamische Prozesse. Auch das Arbeiten in Serien, das kombinatorische Zusammenstellen einer gefundenen zu einer übergeordneten Form wird in den Zeichnungen deutlich sowie die Entstehungsgeschichte der sogenannten ‹Shaped Canvas›. 1962 führte er Farbe in seine Zeichnungen ein und wechselte von strengen kantigen Formen zu Kombinationen von Bogen- und Kreissegmenten. Ein riesiges Gemälde zeigt eine Verwirklichung dieser Werkideen. Die Schau schliesst mit einem Ausblick auf Stellas zweite Werkphase, in der durch Kombination von bemalten Metallteilen die zweidimensionale Leinwand ins Dreidimensionale zu kippen begann.

Bis: 30.08.2015



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Ausgabe 7/8  2015
Ausstellungen Frank Stella [09.05.15-30.08.15]
Institutionen Kunstmuseum Basel/Gegenwart [Basel/Schweiz]
Autor/in Yvonne Ziegler
Künstler/in Frank Stella
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