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Hinweis
7/8.2015




Aarau : Inhabitations


von: Andrina Jörg

  
links: Andrea Heller · Ohne Titel, 2015, Aquarell auf Papier, 36x26 cm
rechts: Nathalie Bissig · Maske, 2014, Stoff, Faden, Wolle und Kristalle, ca. 30x40 cm


Die Welt, wie wir sie mit unseren Sinnen und unserem Hang zum Übersinnlichen erschaffen, ist voll von Heimsuchungen und krudem Begehren. Der Körper, Gefäss und Medium zugleich, muss als Behausung in einer unbehausten Welt herhalten, die doch von Vorstellungsgebäuden wimmelt. Konstrukte der Fantasie, dunkle Wesensarten, Monstren, Animalisches offenbaren sich im und am Körper in einer kulturellen, durch und durch technologisierten Realität. Die Ausstellung ‹Inhabitations - Phantasmen des Körpers in der Gegenwartskunst›, die an die grosse Schau der Madonnenbilder und erotischen Aquarelle des verstorbenen Innerschweizer Malers Hans Schärer anschliesst, zeigt mit zehn zeitgenössischen Positionen einen frischen Blick auf den Leib. Mit, durch und am Körper werden existenzielle Fragen unseres Daseins künstlerisch durchgespielt. Ein Gefühl des Ausgesetztseins klingt in allen Werken in der einen oder anderen Art an: fragmentierte Körperteile, angedeutete organische Formen, angebunden an kristalline, technoid-netzartige Strukturen, wie bspw. in den Arbeiten von Loredana Sperini (*1970), Tanja Roscic (*1980) oder Andrea Heller (*1975). Verformte Körperteile wie bei Beni Bischof (*1976) verweisen in der malerischen und skulpturalen Umsetzung auf das mediale Flimmern, das auch die Nähe wissenschaftlicher Sichtweisen suggeriert und zu hybriden Neugestaltungen inspiriert. Mit dem Hybriden setzt sich auch Yves Netzhammer (*1970) auseinander, der bekannt ist für seinen surrealen, digital und räumlich linear gezeichneten Kosmos. Das Spiel des Verbergens und Öffnens, des Führens und Folgens, in Bewegung gebracht durch marionettenhafte Figuren, Masken und Maskierungen, zeigt sich ebenfalls in verschiedenen Ausformungen. So mahnen die maskenartigen Skulpturen von Nathalie Bissig (*1981) an heidnische Rituale, Nel Aerts (*1987) spielt mit den Überlagerungen und Maskierungen des Bildes im Bild, die Figuren in der künstlerischen Bildwelt von ­Augustin Rebetez (*1986) erinnern an vermummte Ma­rionetten, die Knetfiguren in der Animation von Nathalie Djurberg und Hans Berg (beide *1978) setzen sich nackt und ungeschützt dem Tier aus, während die Künstlerin Melodie Mousset (*1981) in ihrer Videoinstallation, ebenfalls nackt, auf einer rotierenden Scheibe sitzend unter den Händen eines Töpfers zu einer Art Golem wird. Die Ausstellung ist dort am stärksten, wo sie raumgreifend und üppig auf unsere Sinne einwirkt und eigene Phantasmen zu evozieren vermag. Meisterhaft umgesetzt in den Installationen von Rebetez oder Djurberg/Berg.

Bis: 02.08.2015



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Ausgabe 7/8  2015
Autor/in Andrina Jörg
Künstler/in Loredana Sperini
Künstler/in Tanja Roscic
Künstler/in Andrea Heller
Künstler/in Beni Bischof
Künstler/in Yves Netzhammer
Künstler/in Nathalie Bissig
Künstler/in Augustin Rebetez
Künstler/in Nathalie Djurberg
Künstler/in Melodie Mousset
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