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7/8.2015




Basel : Poetics and Politcs of Data


von: Hans-Dieter Fronz

  
links: Christopher Baker · Hello World! or: How I Learned to Stop Listening and Love the Noise, 2008, Multi-channel media installation ©ProLitteris
rechts: Marc Lee · Pic Me, 2014, Online Projekt


Auch wenn hinlänglich bekannt ist, dass jede Aktivität online einen unauslöschlichen Abdruck hinterlässt, bleibt doch buchstäblich unfassbar, da virtuell, was dies eigentlich bedeutet. In der Gruppenausstellung des HeK kann man in einer sorgfältigen und vielschichtigen Auswahl von Positionen ein Gefühl dafür bekommen, wie wir mit unseren oft sehr privaten Daten das Wissen und die Macht anderer speisen und stärken. Die Schau bietet einen tiefen Einblick in die Art und Weise, wie Informationen generiert und von Unbekannten genutzt werden. Neben dem unweigerlich Politischen scheint ambivalent Poetisches und Anrührendes auf, wenn vor Augen geführt wird, wie Einzelne sich exponieren und die eigene Identität, geschützt durch die enorme Datenflut, im Netz behaupten.
Die amerikanische Künstlerin Jennifer Lyn Morone dreht, was die Wertschöpfung ihrer persönlichen Daten angeht, den Spiess um: Über ihre Firma ‹Jennifer Lyn Morone Inc› veräussert sie ‹Data Packages› zu Fixpreisen: ‹Character› à CHF 350, ‹Health› à CHF 3500 oder ‹Complete› für CHF 8000. Noch privater geht die griechisch-britische Künstlerin Erica Scourti vor: Sie lädt ‹Bodyscan›-Bilder ihres eigenen Körpers hoch, lässt diese durch ein Bild­erkennungsprogramm betiteln und startet dann mit dieser Bild-Titel-Kombination eine Suche: Die Hits dieser Abfragen verbildlichen einen männlich konnotierten Blick, generiert durch eine ebensolche Suchlogik.
Der Selbstoffenbarung von Beziehungs­suchenden widmet sich R. Luke DuBois in ­
‹A More Perfect Union›: Durch eine statistische Analyse der Begriffe, mit denen die amerikanische Bevölkerung sich selbst in Kontaktbörsen darstellt, generiert er neue US-Landkarten, die kalifornischen Städte werden so zu ‹Acting›, ‹Gay›, ‹Young› oder ‹Connect›. Die Projektion ‹Hello World! or: How I Learned to Stop Listening and Love the Noise› von Christopher Baker kombiniert Tausende Internet-Videoblogs zu einem riesigen vielstimmigen Foto-Patchwork. Rührend und traurig, wie so in der Gleichzeitigkeit die Bemühung um Aufmerksamkeit des Einzelnen nochmals scheitert. Auch der Schweizer Marc Lee reflektiert in ‹Pic-me› die Auswüchse der Selbstdarstellung, indem er in einer Realtime-Videoprojektion Instagram-Posts mit dem Hashtag «me», verknüpft mit dem Standort des jeweiligen Users über Google Earth, die Besucher rund um den Globus hüpfen lässt und zeigt, was die «me»-User gerade machen oder denken.
Und: Wurde Ihr Password schon gehackt? Überprüfen können Sie dies in ‹Forgot Your Password?› von Aram Bartholl, der durch ein Sicherheitsleck an Millionen privater Passwörter kam und diese fein säuberlich in einer achtbändigen Enzyklopädie aufreiht. Hier kann man auf die Suche gehen, um hoffentlich nicht fündig zu werden!

Bis: 30.08.2015



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Ausgabe 7/8  2015
Ausstellungen Poetics and Politics of Data [29.05.15-30.08.15]
Institutionen HeK Haus der elektronischen Künste Basel [Basel/Münchenstein/Schweiz]
Autor/in Hans-Dieter Fronz
Künstler/in Jennifer Lyn Morone
Künstler/in Erica Scourti
Künstler/in R.Luke DuBois
Künstler/in Christopher Baker
Künstler/in Marc Lee
Künstler/in Aram Bartholl
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