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7/8.2015




Chiasso, Modena : Daniel Spoerri


von: Ruth Händler

  
links: Daniel Spoerri · Tableau piège de Vigneron, 1983, Holztische, mixed media, 115x98 cm, Archivio Francesco Conz, Graz
rechts: Daniel Spoerri · Woman's Bread Shoe, 1969, bronzo e pane, ca. 15 cm, Courtesy Pari & Dispari Project, Reggio Emilia, Collezione Sassi


Ihr Markenzeichen ist die Verankerung in der realen Welt, als Reaktion auf die abstrakten, emotional ausufernden Gefühlswelten der Informellen, der Tachisten: Bei den Nouveaux Réalistes und den Künstlerkollegen, die der bunt zusammengewürfelten Gruppe nahestanden, hat jeder sein eigenes Zuhause in der Dingwelt gefunden. Es gibt wohl kaum eine andere Generation von Künstler/innen, die im kollektiven Gedächtnis so sehr auf ein Bild fürs ganze Werk festgelegt ist: Villeglé und Rotella sind die Plakatabreisser. Arman ist der «Akkumulierer», der Gegenstände in Objektkästen zur Schau stellt. Christo ist der Verpacker und Verschnürer. Und Daniel Spoerri (*1930)? Mahlzeit! Eat Art! Sofort erscheint vor dem inneren Auge eine abgegessene, abgefeierte Tafel, mit allem Drum und Dran fixiert, vom Besteck bis zu den gefüllten Aschenbechern, und in die Vertikale gekippt.
Spoerris sogenannte Fallenbilder, jene semi-appetitlichen Überreste sinnlicher Gelage, kommen natürlich repräsentativ zu Ehren in der grossen Ausstellung, die das m.a.x. museo in Chiasso dem in Rumänien geborenen, in der Schweiz aufgewachsenen, ausgebildeten und gross gewordenen Künstler widmet. Von der Grenzstadt ist es nicht weit nach Mailand zur Expo. Spoerris ‹Eat Art›, seine vielfältige Beschäftigung mit der feinsinnigen Zusammenstellung eines Menüs, der Zubereitung der Speisen und ihrer Präsentation passt perfekt zum Motto der Welt-Schau ‹Den Planeten ernähren. Energie für das Leben›. Im Schweizer Expo-Pavillon ist Spoerri mit einer neuen Assemblage aus fragmentiertem Meissner Porzellan vertreten.
Zurück nach Chiasso: Mit über 200 Exponaten führt die Schau weit über die gedeckten Tafeln sozusagen bis in die Küchen, Speisekammern und Hinterzimmer des Werks und zeigt, wie nahrhaft und nachhaltig Spoerri die Kunstwelt über Jahrzehnte mit seiner Kreativität gefüttert hat. Schon der Einstieg lässt Spoerri, der seine Karriere ursprünglich als Balletttänzer und Choreograf begonnen hat, brillieren: In Chiasso sind die Multiples von Spoerri und Künstlerkollegen wie Jean Tinguely, Karl Gerstner, Christo, Arman, Man Ray versammelt, die Spoerri als Kurator und Verleger von MAT (Multiplication d'Art Transformable) 1959 in Paris herausgab. Restaurant-Plakate, Grafiken, Speisekarten von Banketten aus dem Archiv, das der Künstler 1996 der Graphischen Sammlung der Schweizerischen Nationalbibliothek in Bern schenkte, belegen Spoerris jahrzehntelange Performance im Sektor «Essen und Trinken». Gastronom, Kochkünstler, Kellner und immer wieder auch Kurator - die komplexe Schau mit lustigen und lustvollen Querverweisen zeigt, wie Spoerri viele Rollen nebenbei absolvierte, und das nicht schlechter als viele Vollprofis.

Bis: 31.01.2016



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Ausgabe 7/8  2015
Ausstellungen Daniel Spoerri [01.05.15-30.08.15]
Institutionen m.a.x.museo [Chiasso/Schweiz]
Autor/in Ruth Händler
Künstler/in Daniel Spoerri
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