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7/8.2015




München : Louise Bourgeois


von: Roberta, De Righi

  
links: Louise Bourgeois · In and Out, 1995 (Detail) Metall, Glas, Gips, Textil und Plastik, Zelle: 205,7x210,8x210,8 cm; Plastik: 195x170x290 cm ©ProLitteris, Courtesy The Easton Foundation. Foto: Christopher Burke
rechts: Louise Bourgeois in: Articulated Lair, 1986, Sammlung MoMA, NYC ©ProLitteris, Courtesy The Easton Foundation. Foto: Peter Bellamy


Mon Dieu, quelle famille! Die Mutter ist die Riesenspinne ‹Maman›, der zer­stückelte Vater schmort auf dem Grill einer Rotlicht-Höhle (‹Die Zerstörung des Vaters›), denn die Tochter zerlegt den menschlichen Körper grundsätzlich gerne in seine Einzelteile und arbeitet sich an der Darstellung über­dimensionierter Geschlechtsorgane ab. Diese furchtlose Frau ist die Installations-Pionierin Louise Bourgeois (*1911, Paris), die 1938 mit ihrem Mann nach New York übersiedelte, wo sie drei Söhne grosszog, eher spät Anerkennung erfuhr und 2010 hochgeehrt mit 98 Jahren starb.
Die quantitativ und inhaltlich überwältigende Ausstellung ‹Strukturen des Daseins: Die Zellen› (Kuratorin: Julienne Lorz) im Münchner Haus der Kunst konzentriert sich auf die ‹Cells›, welche die Bildhauerin in den Achtzigerjahren entwickelte. Als Bourgeois 1980 in ein geräumiges Atelier umzog, wuchsen auch ihre Schöpfungen. Insgesamt 60 dieser Zellen existieren; die Schau breitet so viele wie noch nie gemeinsam aus, 30 aus den Jahren 1989 bis 2008 sowie zwei Vorläufer-Arbeiten.
Kokon und Käfig, Nest und Gefängnis, Höhle und Hölle - Bourgeois Einheiten sind ambivalent, bedeuten Einkehr und Isoliertheit zugleich, bergen ein Geheimnis und regen zu Voyeurismus an. Auch die Über-Spinne behütet eine Zelle, sie ist positiv konnotiert und personifiziert die geliebte Mutter. Die Eltern betrieben bei Paris eine Textilwerkstatt, die Mutter restaurierte Teppiche. Während der Vater die Tochter schikanierte, war jene die Rettung.
Bourgeois Zellen rühren an alle grossen Themen des Lebens: Kindheit und Erwachsenwerden, Liebe, Angst, Sexualität und Tod. In ihren organischen Formen verschmelzen weibliche und männliche Genitalien (zwei Kugeln), das Elternschlafzimmer (1994) ist ganz in Blutrot gehalten, das Kinderzimmer ist voller Spindeln, Nadeln, roter Fäden.
Auch die Bandbreite der Materialien ist stupend, Bourgeois verarbeitete alle Arten von Textilien sowie Bronze, Marmor, Glas und Fundstücke - wie den ausrangierten Wassertank als Gehäuse für ‹Kostbare Flüssigkeiten›, 1992. Ein Lieblingsmotiv ist die Spirale, da sie ‹Ordnung ins Chaos› bringt. So wie in ihrer letzten Zelle, ‹Der letzte Aufstieg›, 2008. Darin führt eine Wendeltreppe, von blauen Glaskugeln umschwirrt, hoch ins Nichts. An den Wänden rundum prangen die Papierarbeiten ‹I Give Everything Away› aus dem Todesjahr.

Bis: 02.08.2015



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Ausgabe 7/8  2015
Ausstellungen Louise Bourgeois [27.02.15-02.08.15]
Institutionen Haus der Kunst München [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
Künstler/in Louise Bourgeois
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