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7/8.2015




Paris : Marc-Antoine Fehr


  
Marc-Antoine Fehr · Point de fuite, 2015. Foto: Marc Domage


Kennern war Marc-Antoine Fehrs (*1953, Zürich) Mischung aus mittelalterlichem Erzähl-Gemälde und zeitgenössischem TV-Multiscreen bereits 2012 aufgefallen, im Rahmen der Sammlung Züst. In der Schweiz gehört er als «Atypischer» zu den Grossen. Doch in Frankreich ist er, obwohl er im Burgund lebt, kaum bekannt. Klar, er malt figürlich. Verpönt in einem Land, das einem missverstandenen Duchamp-Duktus folgt, unter Malerei-Komplex leidet. Umso wichtiger ist, ihn jetzt zu zeigen. Aufgeschlagene Skizzenbücher in rohen Holzvitrinen zeigen den Formungsprozess der Bilder. Fragmente seiner Serie ‹Paysage sans fin›, bunte Theatermasken. Erfreulich leicht gewinnen grosse Themen wie Lust, Sehnsucht und Tod in einer Figuration Form, die sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Ein Spaziergang entlang kleiner Formate, wie alltägliche Filmszenen, Robert-Walser-Stimmung. Dann im grossen Saal ein Totentanz, Masken, ein Knochen in der Schwebe. Adolf Menzels Selbstporträt mit Tod fällt ein, vielleicht auch Alfred Kubin. Oder Gustave Courbets frecher Realismus. Geschichte jedenfalls, Versuche, malend zu erfassen, was ein Leben übersteigt. Dann: eine Landschaft, wie ein Gletscher in einem Meer aus Blut. Im Fluchtpunkt der Gemälde erscheint uns der Maler wie Kafkas Landarzt: «Nackt, dem Froste dieses unglückseligsten Zeitalters ausgesetzt, mit irdischem Wagen, unirdischen Pferden, treibe ich alter Mann mich umher.»

Bis: 12.07.2015



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Ausgabe 7/8  2015
Ausstellungen Seline Baumgartner, Marc-Antoine Fehr [17.04.15-24.05.15]
Institutionen Centre Culturel Suisse [Paris/Frankreich]
Künstler/in Marc-Antoine Fehr
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