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7/8.2015




Weiertal : Ein Sommertagtraum


von: Corinna Marchand

  
Teres Wydler · Metamorphosis, 2015 ©ProLitteris


Ein bezaubernder Park mit Bäumen, Weihern und Bachläufen ist Kulisse der 4. Skulpturen Biennale. Der Kulturort Weiertal liegt inmitten idyllischer Natur, in einem Hochtal bei Wülflingen. Bereits von 1924-1978 war just dieser Fleck beliebtes Ausflugsziel der Winterthurer Städter. Landgasthof und Theaterbühne war rundum bekannt. Nun knüpft der Verein des Kulturorts wieder an die Tradition an. In diesem Arkadien zeigen nun dreissig Schweizer Kunstschaffende Skulpturen, Objekte und Installationen zum Thema ‹Sommertagtraum›. Nebst der Referenz auf Shakespeare, ist das Bekenntnis René Magrittes, dass er nur am Tag träume, Leitthema der Freilichtschau. Mit Objekten, kinetischen Skulpturen sowie Licht-, Audio-, Video-Installationen beleuchten die Kunstschaffenden das weite Feld der onerischen Bilder bei Sonnenlicht. Reichen Tagträume tatsächlich als Inspirationsquelle für die Erschaffung von Kunst im Sinne Magrittes? In engem Dialog mit der Natur vor Ort präsentieren Elisabeth Eberle, Ursula Palla, Not Vital, Paul Le Grand, u.a. ihre Visionen. Skulpturale Traum- und Lichtphänomene spiegeln sich. Reflexionen und Projektionen spielen verrückt. Kann man seinen Augen trauen? Der Genfer Christian Gonzenbach (*1975) inszeniert die Illusion einer orientalischen Fata Morgana über dem Weiher. Ein Dromedar-Skelett scheint über die Wasserfläche zu schreiten. Die verzerrte Spiegelung von Knochengerüst und Natur im Wasser wirkt wie aufsteigende Heissluft über Sandboden. Ein raffiniertes Spiel mit der Vision des Unsichtbaren ist in Szene gesetzt. Dennoch hat ein echtes Skelett den Weg aus dem naturhistorischen Museum zurück in die Natur gefunden - eine witzige Pointe, die bei Gonzenbach nicht zufällig ist. Ein Lichtphänomen mit grosser Ausstrahlung ist Christian Herdegs (*1942, Zürich) ‹Lichtfloss› in der Datscha. Ein Lichtteppich aus bunten Leuchtröhren kleidet den Boden des kleinen Märchenhauses aus. Der rosafarbene Lichtzauber versprüht die Energie im Innen- und Aussenraum. Einbrüche ins Idyllische überraschen die Besuchenden gelegentlich. Teres Wydlers (*1945, Bern) Leuchtcocon ‹Metamorphosis› irritiert mit der Ausdünstung von synthetischem Duft, der nicht in unser Arkadienbild eines unberührten Paradieses passen will. Ein Besuch ist auch im Dämmerlicht zu empfehlen.

Bis: 13.09.2015



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Ausgabe 7/8  2015
Ausstellungen Biennale Skulpturen-Symposium [31.05.15-13.09.15]
Institutionen Kulturort Weiertal [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Corinna Marchand
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