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7/8.2015




Zürich : Lia Perjovschi


von: Dominique von Burg

  
links: Lia Perjovschi · Similar Situation, 1993, ­Videostill
rechts: Lia Perjovschi · Timeline, 2015


Lia Perjovschi begann in den Achtzigerjahren mit Performances in ihrer Wohnung in Bukarest unter einem der repressivsten Regime in Europa. In Kombination mit installativen Arbeiten schuf sie einen Raum des Widerstands. Eine Ausstellung bei ABContemporary würdigt nun dieses mutige Künstlerleben.
In der zeitgenössischen Kunst besteht ein grosses Interesse für Archive und die Vergangenheit. Mag sein, dass für eine Reihe von Kunstschaffenden der Blick zurück mehr Sicherheit verspricht als derjenige in die Zukunft. Ganz anders die rumänische Künstlerin Lia Perjovschi (*1961, Sibiu), die sich aus politischen Gründen seit 27 Jahren mit Wissens­akkumulation und -transfer beschäftigt. Aus ihrer ablehnenden Haltung dem Regime gegenüber hat sie nie einen Hehl gemacht, weshalb ihr Studio an der Universität von Bukarest, das sie zusammen mit ihrem Mann Dan innehatte, geschlossen wurde, woraufhin das Künstlerpaar nach Sibiu umzog.
Während der repressiven Ceauşescu-Diktatur mit ihrer Unterdrückung der visuellen Kultur und der nachfolgenden korrupten Regierung baute - und baut bis heute - die Künstlerin aus ihrer individuellen Perspektive ein Archiv zur rumänischen Geschichte und Kunstgeschichte auf. Das ‹Contemporary Art Archive and Center for Art Analysis› sowie das ‹Knowledge Museum›, das auf einem interdisziplinären Forschungsprojekt seit 1999 basiert, umfasst Texte, Objekte, Filme und Bilder aus der internationalen und der rumänischen Kunstszene. Gleichzeitig ist es ein Ort für Debatten und Kritik und fungiert als Plattform, die Zugang bietet zu verschiedenen Wissengebieten. Dem Archiv kommt eine umso grössere Bedeutung zu, als es zur in Rumänien gerade erst beginnenden Aufarbeitung von Geschichte beiträgt.
Lia Perjovschi war bis in die Neunzigerjahre vor allem als Performancekünstlerin bekannt und eine der wenigen, die zum internationalen Kunstgeschehen Zugang fand. Daher nahm sie eine wichtige Vermittlungsposition für junge Kunstschaffende ein. In der Ausstellung werden Aspekte von Perjovschis konzeptueller, künstlerischer Praxis aus dreissig Jahren vorgestellt. Elemente aus dem ‹Contemporary Art Archive› und dem ‹Knowledge Museum› sind in einer Collage zusammengefügt und erlauben einen Blick auf ihre Untersuchungen. Ein Poster dokumentiert ihre Performances von 1985 bis 2015, während die ‹Timelines› mit Kommentaren zu historischen Ereignissen als grossformatige Leporellos präsentiert sind. Daneben nehmen sich die ‹Diagramme› und ‹Mindmaps› bescheiden aus, die sich als sternförmig auseinanderstrebende, handschriftliche Notate manifestieren und enigmatische Botschaften enthalten. Mit äusserst reduzierten Mitteln gelingt es Perjovschi, essenzielle, ästhetisch überzeugende Botschaften zu entwickeln.

Bis: 10.08.2015



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Ausgabe 7/8  2015
Ausstellungen Lia Perjovschi [16.06.15-10.08.15]
Institutionen A B C ontemporary [Zürich/Schweiz]
Autor/in Dominique von Burg
Künstler/in Lia Perjovschi
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