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Besprechung
9.2015


Isabel Friedli :  Als Startschuss der Season's Opening findet Ende August der Aktionstag ‹Kunsthoch› statt, an dem sich 24 in und um Luzern situierte Kunstinstitutionen beteiligen. Die Veranstaltung liefert den Zündfunken, der von einem Ort zum anderen überspringt und ein Lauffeuer starker Kunst entfacht.


Luzern : Kunsthoch - Kunsthöhenfeuer in Luzern


  
Nils Nova · Speicherbild (13. Oktober bis 25. Juli), 2015, Acryl auf Leinwand, 200x180 cm


Die Vorbereitungen für ‹Kunsthoch› unter der Projektleitung von Eva-Maria Knüsel laufen auf Hochturen. Viele der Ausstellungen werden bis in den Herbst hinein laufen. Hier, zur Einstimmung, eine kleine Auswahl: In der Alpineum Produzentengalerie zeigt Diana Seeholzer (*1975) Papiercollagen und Keramiken, die den Raum wie Flechten besiedeln. Die übereinander gelagerten Papiere unterschiedlichster Beschaffenheit und Farbe erinnern an Schichtungen von Tapeten, diese Jahresringe alternder Wohnräume. Die Keramiken dagegen ähneln in ihrer organischen Morphologie den Pflanzenaufnahmen Karl Blossfeldts - man denkt an Samenkapseln und Staubbeutel und vergisst ob der Fragilität der Gebilde, dass Keramik auch mit der Vorstellung von Gebrauchsobjekten verbunden ist. Die Künstlerin ist an den material­immanenten Geschichten interessiert und schiebt selbstverständliche Gegebenheiten mit leichter Hand weg, um ungewohnten Bestimmungen Platz zu machen.
Neue Arbeiten von Nils Nova (*1968) sind gleichzeitig im Benzeholz Raum für zeitgenössische Kunst in Meggen und bei Hilfiker Kunstprojekte in Luzern zu sehen. Die Werkgruppe der ‹Speicherbilder› und die ‹Projektionsflächen› sind wie zwei­eiige Zwillinge, ganz unterschiedlich und doch eng verwandt. Erstere tragen die gestische Energie scheinbar wild und zufällig getropfter, gesprühter und verlaufender Farbe in sich. Die kraftvollen Bilder - am Boden liegend und in mehreren Etappen entstanden - wirken in der Vertikalen installiert verblüffend durchlässig und die fantastischen Kompositionen erinnern entfernt an die verträumte Entrücktheit der Weltlandschaften von Joachim Patinir. Die lasierenden Oberflächen der ‹Projektionsbilder› dagegen oszillieren zwischen Opazität und Transparenz. Im Sic! Raum für Kunst im Elephanthouse präsentiert deuxpièce das Projekt ‹YO NO Home Work› des 2013 in Basel gegründeten künstlerischen Kollektivs Louise Guerra. Ohne sich auf eine Pass- oder Präsentationsform festzulegen, erprobt Louise immer neue Biografien, streift durch Traditionen, Zeit und Raum, ist Kunstfigur und tatkräftige Akteurin in einem und drückt sich furchtlos, kritisch und voller Hingabe in vielen Medien aus. Kern der Schau ist ein universales Kleidungsstück - das T-Shirt. Schnittmusterzeichnungen zeigen eine Vielzahl geometrischer Teilungsmöglichkeiten. Sie erinnern an das konstruktivistische, funktionelle Design Warwara Stepanovas und generieren in der Reihung wie ein offenes Buch ein eigenes Zeichensystem.

Bis: 29.08.2015



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Ausgabe 9  2015
Autor/in Isabel Friedli
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