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Besprechung
9.2015


Hans-Dieter Fronz :  Silberner Löwe der Biennale Venedig, Zurich Art Prize, Nam June Paik Award: Bereits in jungen Jahren ist Haroon Mirza mit Auszeichnungen hoch dekoriert. Das Tinguely Museum widmet dem in London lebenden britischen Medienkünstler mit pakistanischen Wurzeln jetzt seine bislang umfangreichste Einzelschau.


Basel : Haroon Mirza - Kollaboration und Transformation


  
links: Haroon Mirza · Pavilion for Optimisation, 2013/2015, Installationsaufnahme im Museum Tinguely, Basel, Courtesy Lisson Gallery. Foto: Bettina Matthiessen
rechts: Haroon Mirza · An_Infinato, 2009, Masse variabel, Mixed Media, darunter ungeschnittenes Video­material aus Memory Bucket (2003) von Jeremy Deller und Schnittreste aus Cycles #1 (1972/1977), 16-mm-Film von Guy Sherwin. Arts Council Collection, Southbank Centre, London. Foto: Ken Adlard


Es riecht ein wenig streng im Museum Tinguely. Nicht dass man versäumt hätte zu lüften; der Grund ist ein anderer. Schweiss, Angstschweiss, um genau zu sein, liegt in der Luft. Offenbar hält sich solcher Geruch hartnäckig: Ein Relikt der Vorgängerausstellung ‹Belle Haleine - der Duft der Kunst› aus der Installation ‹The Fear of Smell - the Smell of Fear› der norwegischen Konzeptkünstlerin und Geruchsforscherin Sissel Tolaas.
Haroon Mirza (*1977, London) dürfte es gefallen haben. Der Brite liebt Kollaborationen - sollte er eine zufällig sich ergebende wie diese verschmähen? Dass sich in seinen Arbeiten Visuelles mit Tönen und Geräuschen vermischt, ist der Normalfall. Eingangs der auf vier Ebenen des Museums sowie den Park sich erstreckenden Schau stehen die Namen der beteiligten Künstler in grossen Lettern an der Wand; darunter, kaum hervorgehoben, der Mirzas. Gleich die erste Arbeit - die raumfüllende Installation ‹An_Infinato› von 2009 - operiert mit Found Footage anderer Künstler. Ungeschnittenes Videomaterial aus Jeremy Dellers Film ‹Memory Bucket› sowie Schnittreste aus Guy Sherwins 16-mm-Film ‹Cycles #1› schliessen sich mit einem Keyboard über einen Eimer Wasser zu einem akustischen Schaltkreis mit Fledermausflattern und Synthesizerklängen zusammen. ‹Sound Spill› bringt drei filmische Arbeiten von Sherwin, Gary Hill und Alexander Heim in einen installativen Kontext; der Künstler fungiert hier als Kurator. In den minimalistischen ‹Pavillon for Optimization› - ein White Cube mit unregelmässig aufleuchtender LED-Leiste - überträgt er mittels Mikrofon und Lautsprecher Klänge dreier Radioskulpturen von Jean Tinguely.
Neben der kollaborativen Integration von Verschiedenem und dem Mix von Medien und Materialien sind Transformationen ein Hauptmerkmal von Mirzas Kunst. In ‹LED Circuit Compositions› wandelt er Sonnenenergie in farbiges LED-Licht um; in den ‹Standing Stones› im Park des Museums macht er sie zusätzlich hörbar. Wir stellen fest: Die Sonne brummt rhythmisch und klingt nach Techno. - Und Anish Kapoors Parabolspiegel in ‹Bitbang Mirror›, wie tönt der? Ein anfängliches leises Sirren steigert sich zum durchdringenden Sirenenton auf, der ganz allmählich wieder abschwillt.

Bis: 06.09.2015



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Ausgabe 9  2015
Ausstellungen Haroon Mirza [10.06.15-06.09.15]
Institutionen Museum Tinguely [Basel/Schweiz]
Autor/in Hans-Dieter Fronz
Künstler/in Haroon Mirza
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