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9.2015




Digitale Kunst / Projekt des Monats - Market for Immaterial Value


von: J. Emil Sennewald

  
Valentina Karga und Pieterjan Grandry · Market for Immaterial Value, 2015


«All that seems solid, melts into digital dust», so liesse sich Marx' Satz aus dem Kommunistischen Manifest auf die kulturindustrielle Revolution übertragen. Hacktivist/innen wie Cornelia Sollfrank, Olia Lialina oder die !Mediengruppe Bitnik bearbeiten seit den Neunzigern durch Subversion die Netz- und Datenwelt. Kern dieser Kunst ist Kapitalismuskritik sowie die Debatte über Autorenschaft und Urheberrechte. So erforscht Cornelia Sollfrank im künstlerischen Projekt ‹Giving What You Don't Have› mit Möglichkeiten einer auf freiem Austausch basierenden Peer-to-Peer-Ökonomie letztlich auch eine Neuordnung der Wirtschaft. Die koppelt sich derweil in immateriale Maschinenwelten ab. Beim High-speed-brokering entscheiden lernende Algorithmen, was an der Börse im Nanosekundentakt gekauft oder verkauft wird - würde die Weltwirtschaft morgen zerbrechen, man bräuchte Jahre, um nachzuvollziehen, an welcher Stelle im Code der Fehler war. Valentina Karga und Pieterjan Grandry widmen sich den symbolischen und ökonomischen Strukturen dahinter. Gerade für das Vilém Flusser Residency Programme for Artistic Research ausgewählt, greift ihr Projekt neoliberale Methoden im digitalen Raum auf, um sie transparent zu machen. Auf der eigens eingerichteten Seite diskutieren sie Hintergründe und wie sich künstlerisch auf die Instrumentalisierung zur symbolischen Wertsteigerung reagieren lässt. Ihr Projekt ist dabei so einfach wie effektiv: Um sich zu emanzipieren, muss man zuerst wissen, wie es geht. Also haben sie einen Online-Aktien-Markt eingerichtet. Dort können Internetnutzer mit Kapitalwerten handeln, die sich auf ein Kunstwerk beziehen, das zudem als Eigeninvestitions-Projekt realisiert wurde. Karga und Gandry investierten in einen Goldtaler mit ihrem Konterfei. Um dieses Objekt soll nun Kapital wachsen und vergehen - jede Investorin, jeder Investor finanziert damit die Künstler und deren Arbeit. Dass dabei die Distanzierung durchs Digitale genutzt wird, verweist auf eine andere, zugrundeliegende Frage: Wie eine andere Wirtschaft denken, die gegenseitiges Vertrauen statt Gewinnmaximierung als Grundlage hat?



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Ausgabe 9  2015
Autor/in J. Emil Sennewald
Link http://marketforimmaterialvalue.com
Link http://flusser-archive.org
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