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9.2015




Paris : Valérie Jouve


  
Valérie Jouve · Sans titre avec Tania Carl, 1997-2014/2015, C-print, 100x130 cm ©ProLitteris, Courtesy Galerie Xippas Paris


Ein nackter Mann, tätowiert, deutet auf eine Insel in der Ferne. Eine Frau im schwarzen Kleid dreht uns den Rücken zu, schaut auf eine Insel, die Hand über den Augen. Das erste Bild hat Popstar Justin Bieber gerade über Twitter gepostet. Das zweite nahm Valérie Jouve (*1964, Saint-Étienne) von Tania Carl 2014 auf. Bieber präsentiert sich in adoleszenter Blösse, als könnte es immer so bleiben. Jouve versetzt uns in die Präsenz der Bilder. Ein Bild, sagt sie, erhält jedes Mal eine neue Gegenwart, wenn es zu anderen in Beziehung tritt. Seit über zwanzig Jahren drückt Jouve auf den Auslöser. Urbane Landschaften, Mauern, Anzugträger oder Personen auf Terrassenkanten wie an der Bühnenrampe. Die Soziologin und Anthropologin inszeniert, deutlich von Jeff Wall beeinflusst, den Körper im Theater des Alltags. Wo aber ist der im Titel der Schau angekündigte ‹Widerstand der Körper›? Anders als Wall liefert Jouve keinen Kasten, in dem Welt als Wille und Vorstellung erscheint. Ihre Bilder sind Mauern, undurchdringlich, die Körper unerreichbar. Ihre neueste Installation, ‹Blues›, richtet Platons Höhle mit fünf Videoprojektionen, Sofas und Teppichboden komfortabel ein. Hier starren wir auf entfernte Welten, Boote schaukeln auf dem Wasser, die Sonne geht unter. Wenn wir uns erheben würden, was würden wir sehen? Das, was Justin Bieber zeigt - Fantasiewelten?

Bis: 27.09.2015



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Ausgabe 9  2015
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