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9.2015




Stans : Patrick Rohner


von: Niklaus Oberholzer

  
links: Patrick Rohner · Wirtgestein, 2015, Ausstellungsansicht Nidwalder Museum. Foto: Christian Hartmann
rechts: Patrick Rohner · Wirtgestein, 2015, Ausstellungsansicht Nidwalder Museum. Foto: Christian Hartmann


«Wirtgestein» ist der Name, den die Nagra und ihre Geologen jenem Gestein geben, das sich als Zwischen- oder Endlager für atomare Abfälle eignet. «Wirtgestein» nennt Patrick Rohner (*1959), der bei Jan Dibbets in Düsseldorf studierte und nun in Rüti lebt auch seine aktuelle Ausstellung im Nidwaldner Museum. Der Wellenberg unweit von Stans war für die Nagra lange Zeit als Endlager vorgesehen, steht aber vorläufig nicht mehr zur Diskussion. Rohner, dessen Arbeit seit vielen Jahren auf ganz unterschiedliche Weise von seiner Beziehung zur Landschaft handelt, hat ihm trotzdem und sicher nicht zufällig eine seiner Landschaftsbegehungen gewidmet. In Stans zeigt er nun das Resultat - einerseits kartographisches und geologisches Material, andererseits Hunderte von Fotos. Wenn er sie in zwei Vitrinen auslegt, so bildet er nicht etwa seine Wanderungen ab, sondern «malt» mit den Fotos, seinen spontanen Emotionen folgend, ein Bild als eine Art Erlebnisprotokoll. Um ein Abbilden von sichtbaren Landschaften geht es auch in seinen anderen Arbeiten nicht. Vielmehr sucht er in den grossen und schweren, mit Ablösungen und Übertragungen vieler Farbschichten bearbeiteten Platten jene teils abrupten, teils sehr lange andauernden Entstehungsprozesse - Erosionen, Ablagerungen, Überschwemmungen - der Landschaft sichtbar zu machen, wie er sie in seinen geologischen, physikalischen oder kulturgeschichtlichen Studien, vor allem aber in seinem täglichen physischen Umgang mit der Natur wahrnimmt. Diese Natur erlebt er vor allem im Glarner Hinterland mit seinen steilen Hängen, seinen schroffen Felsen, seinen wilden Wasserläufen und einem je nach Witterung und Tages- und Jahreszeit stets wechselnden Licht. Resultat dieses Erlebens der Natur sind die erwähnten grossen Tafeln, deren Bearbeitung sich über mehrere Jahre hinzieht und die vor dem Betrachter eine faszinierende Vielschichtigkeit und Farbenvielfalt ausbreiten. In Stans zeigt er daneben auch ‹Wasserzeichnungen›: In gros­sen Papierwannen lässt er immer wieder mit Pigmenten und Bindemittel versetztes Wasser eintrocknen. Die mehrfachen Überlagerungen solcher Ablagerungen und Trocknungsprozesse führen zu weich fliessenden Farbverläufen, die an Urlandschaften erinnern, wie wir sie in der Natur nur mehr sehr selten - besonders eindrücklich etwa in Island - vorfinden.

Bis: 27.09.2015



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Ausgabe 9  2015
Autor/in Niklaus Oberholzer
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