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9.2015




Wien : Friedrich Kiesler


von: Patricia Grzonka

  
links: Friedrich Kiesler · Schaufenstergestaltung für SAKS Fifth Avenue, 1927/28 ©2014 Öster­reichische Friedrich und Lillian Kiesler Privatstiftung, Wien
rechts: Friedrich Kiesler mit Modell des Endless House, NY, 1959 ©Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler Privatstiftung, Wien


Im Jahr 1997 gelang es einer Gruppe engagierter Personen aus Österreich, den Nachlass des 1965 verstorbenen Raumgestalters, Designers und Architekten Friedrich Kiesler zu erwerben und in eine Stiftung einzubringen. Die Österreichische Friedrich und Lillian Kiesler Privatstiftung ist seither an der Wiener Mariahilferstrasse angesiedelt und betreibt neben der Pflege der Archivalien - in erster Linie Zeichnungen, Skizzen und rund 15'000 Fotografien - auch einen eigenen Ausstellungsraum mit Bibliothek. Alle zwei Jahre wird darüber hinaus ein renommierter und mit € 55'000 einer der höchst dotierten Architektur- und Kunstpreise von einer internationalen Jury vergeben. 2014 ging dieser an den US-amerikanischen Künstler Bruce Nauman. 2015 ist die Friedrich Kiesler Stiftung besonders aktiv, jähren sich doch einerseits der Geburtstag des in Czernowitz (ehemals k.u.k. Monarchie) 1890 geborenen Kiesler zum 125. Mal und sein Todestag zum 50. Mal. Kiesler, der zwar in Wien studiert und erste Ausstellungen gestaltet hat - so war er verantwortlich für die inhaltliche und räumliche Umsetzung der berühmten Ausstellung neuer Theatertechnik 1924 -, lebte seit 1926 bereits mit seiner ersten Frau Stefanie Frischer in den USA. Hier hatte er engen Kontakt zu den Avantgardekünstlern der Zeit, er verkehrte mit Marcel Duchamp, Edgar Varèse und vielen anderen.
Als der Erfinder des Endless House und weiterer kaum realisierbarer Architekturentwürfe von visionärem Charakter wurde er berühmt. Umgesetzt wurden hingegen seine avancierten Ausstellungsgestaltungen oder Möbelentwürfe, wie beispielsweise für Peggy Guggenheims Privatmuseum ‹Art of This Century› in New York. Die laufende Ausstellung des Kiesler-Archivs bietet einen Einblick in die Planungsprozesse des einzigen verwirklichten Bauwerks Kieslers, dem gemeinsam mit dem Büropartner Armand Bartos entstandenen ‹Shrine of the Book› einem Museum für Bibelschriften in Jerusalem.
Im Zentrum der Jubiläen steht ausserdem eine Reihe von gemeinsam mit der Wiener Kiesler-Stiftung organisierten Ausstellungen in Stockholm, New York, Princeton, St. Louis, Bratislava und Budapest. Zwei grosse Retrospektiven - eine im MAK Wien, eine im Berliner Martin Gropius-Bau - sind für 2016 geplant. Zurzeit zeigt auch die Kunsthalle Wien Weiterentwicklungen von Kieslers Ansatz ausgehend von dessen innovativen Ausstellungsdisplays durch zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler unter dem Titel ‹Form Follows Vision, Vision Follows Reality›.

Bis: 03.10.2015



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Ausgabe 9  2015
Autor/in Patricia Grzonka
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