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Hinweis
9.2015




Zürich : Carlos Bunga


  
links: Carlos Bunga · I am a Nomad, 2015, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, Courtesy Galería Elba Benítez, Madrid. Foto: Stefan Altenburger
rechts: Carlos Bunga in seinem Studio in der Nähe von Barcelona, 2014


Der multimedial arbeitende portugiesische Künstler Carlos Bunga (*1976, Porto) hat sich für die Ausstellung ‹I am a Nomad› auf einen mentalen und kreativen Prozess in den Räumlichkeiten des Museums Haus Konstruktiv eingelassen. Zu sehen sind im Dialog mit der Museumsarchitektur entstandene kleinere oder raumhohe Installationen, bestehend aus billigen Materialien wie Karton, Klebestreifen und Industriefarbe. Anfänglich wirken die architektonischen Skulpturen etwas verstörend - bis man um sie herumgeht. Bunga lässt sich von Stimmungen und Fragen leiten, die sich mit der Wahrnehmung urbaner Räume, Absenz und Präsenz sowie ephemeren Behausungen im Zeitalter der Globalisierung beschäftigen. Dieses Experiment basiert aber auch auf seinen konzeptuellen Kernsätzen, die sich im parallel zur Ausstellung entstandenen Künstlerbuch gut nachvollziehen lassen. Mutationen zwischen originalen und vom Künstler neu erschaffenen Räumen werden in der Ausstellung überraschend sichtbar und hinterfragen auch die Identität dieses Museums: Gemeinsam sind ihnen geometrische Grundelemente, die auf den historischen Konstruktivismus Bezug nehmen und die wiederum titelgebend für das Werk ‹Constructional Construction› sind.
Der Nomade bewegt sich von einem Ort zum anderen. Bunga bezeichnet sich in einer seiner Zeichnungen darüber hinaus als Künstler, Architekt, Skulpteur, Philosoph und Schriftsteller. Diese Vielseitigkeit verbindet seine Werke. So sind auch zahlreiche Malereien, Zeichnungen, Collagen, Objekte und Videoarbeiten ausgestellt. Die Zeichnungen sind keine Vorstudien, sondern bilden meist seine zuvor entstandenen Projekte dokumentierend ab. Die Objekte werden auf einem Sockel präsentiert, erinnern jedoch an Abbrucharchitektur. Auch in der Malerei erkennt man Brüche mit der Gattung wieder. Im Video ‹Paintings› ist es der Künstler selbst, der seine gemalten Bilder zerstört. Die Ambiguität zur Malerei lässt sich erahnen. Dies bestätigt die Performance im Video ‹Behind›. Da setzt sich Bunga mit dem ZIP-Painting in der Tradition Barnett Newmans auseinander, platziert sich hinter das Bild und nimmt damit eine ungewohnte Perspektive ein. Er setzt künstlerische Verfahren ein, die nicht vordergründig nach bestimmten Bedeutungen suchen, vielmehr dem Versuch unterliegen, permanente Wandelbarkeiten in einer sich schnell verändernden Welt zu erkunden.

Bis: 06.09.2015



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Ausgabe 9  2015
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