Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Hinweis
9.2015




Zürich : Wahn Welt Wellen


von: Susann Wintsch

  
links: Wahn Welt Wellen, 2015, Ausstellungsansicht Art Dock Zürich. Foto: Ralph Baenziger
rechts: Wahn Welt Wellen, 2015, Ausstellungsansicht Art Dock Zürich. Foto: Ralph Baenziger


In den stehen gebliebenen Trakten des alten Güterbahnhofs unter der Hardbrücke ist derzeit eine aufregende Ausstellung von rund siebzig Zürcher Kunstschaffenden des Phantastischen Realismus zu sehen. Durch die Alleen und Kammern der riesigen Hallen mäandernd, kann man über Stunden darin «träumen und albträumen». Dabei stolpert man unvermutet auch in die Stiftung Trudi Demut und Otto Müller, deren Arbeiten sich fast bis unter die Decke stauen: Minimalistisch-poetische Gemälde und Skulpturen von Demut und berührende Altarwerke von Müller, etwa das Bronzerelief eines Hundes, der den Himmel anheult. Dann taucht man wieder ab, diesmal in die Gegenwart. Erklärtes Anliegen der Schau ist es denn auch, die älteren Positionen mit der zeitgenössischen Kunst zu verknüpfen. In der überbordenden Ballung der Werke kann man buchstäblich zusehen, wie der Magische Realismus durch die Jahrzehnte immer wieder neu zugewandte Künstler und Künstlerinnen findet, und was sonst als isolierte Erscheinungen des Rohen, Naiven oder Versponnenen durchgeht, wird hier zur künstlerischen Haltung der Unangepassten verdichtet. Auch bringt der Verein Art Dock dank vernetzten Forschungen seines namhaften Patronats neue Verbindungen und Entdeckungen ans Tageslicht und beweist so eindrücklich seine Forderung, die Nachlässe der Zürcher Kunst zu retten und zu dokumentieren.
Der Parcours beginnt mit zwei Surrealisten, die in der konkreten Zwinglistadt Fuss fassen konnten. Dann aber geht es los mit den Keimzellen, allen voran mit der noch immer unterschätzten Eva Wipf (1929-1978), «weil sie wahrscheinlich die allererste Magma-Glut der WahnWelten anfeuerte», so Ralph Baenziger. Dies gilt insbesondere für ihre Gemälde aus den Fünfzigerjahren, die sie lange vor ihren besser bekannten Assemblagen aus Fundgegenständen geschaffen hat. Ebenso interessant ist die Abteilung Science Fiction um H.R. Giger, der seine Impulse aus der Gruppe von Freund/innen und Kollaborateur/innen gewonnen hat, etwa Franz Anatol Wyss, der mit wunderschönen, kleinformatigen Radierungen androider Wesen vertreten ist, aber auch mit aktueller Malerei. Wer mehr über alles wissen will, wendet sich an Ralph Baenziger, der häufig in der Ausstellung anzutreffen ist und nicht vorgibt, alles zu wissen, aber danach sucht, die Kunstschaffenden und ihre Werke zu verstehen.

Bis: 06.09.2015



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 9  2015
Autor/in Susann Wintsch
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=150818120953V8N-36
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.