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Besprechung
10.2015


Katharina Holderegger Rossier :  Der Kurator und Künstler Stefan Banz ist seit Jahren dem ­Leben und Werk Duchamps auf den Fersen. In seinen neuesten Recherchen und Reflexionen folgt er einem obskuren Vorbild des Pioniers der Konzeptkunst, dem amerikanischen Maler mit ­helvetischen Wurzeln Louis M. Eilshemius.


Cully : Louis M. Eilshemius - Visionärer Erotismus und Oneirismus


  
Louis Michel Eilshemius · Landscape with two Waterfalls and two Figures, 1919, 20x44,5 cm, Öl auf Holzfaserplatte (auf Holzfaserplatte aufgezogen)


War die glühende Verehrung Duchamps (1887-1968) für Eilshemius (1864-1941) echt oder narrte er damit nur Galeristen, Kritiker und Sammler? Im Grunde blieb es immer ein Rätsel, weshalb Duchamp das - nebst seinem mit R. Mutt signierten Urinoir - an der ersten Jahresausstellung der Society of Independent Artists in New York 1917 gezeigte Ölbild von Eilshemius als eines der zwei besten Werke in dieser Schau feierte. Und wieso er dann 1920 und 1924 in der Société Anonyme die ersten Soloschauen dieses Künstlers ausrichtete. Für Eilshemius hatte Duchamps Vorgehen Konsequenzen: Der zuvor fast nur angefeindete Maler, Komponist, Dichter und nicht zuletzt giftige Leserbriefschreiber war plötzlich in aller Munde, hörte aber - wohl verstört über das gar nicht mehr erhoffte Interesse  - praktisch zu arbeiten auf.
Stefan Banz legt nun eine voluminöse Publikation vor, in der das Werk von Eilshemius umfassend analysiert wird. Statt in den mit Frauenfiguren bevölkerten und mit Wasserfällen befeuchteten Landschaften ein Zurück zu Romantikern und Symbolisten zu sehen, wird aufgezeigt, wie Eilshemius diese Bewegungen mit seinem Erotismus und Oneirismus sprengte. Duchamp hat hier wohl seine eigene Abkehr von einer «retinalen Kunst» wiedererkannt. Gemäss Banz regte Eilshemius Duchamp zu ‹Etant donné› an, der von 1946 bis 1966 gefertigten, doch erst postum enthüllten Installation. Dies nicht nur auf ikonografischer Ebene, sondern auch formal, da Eilshemius den Blick des Publikums oft durch runde Rahmen in seine Traumwelten hineinlenkte.
Welch beseelende Wirkung diese launische, verrückte Welt haben kann, wird in der Garage neben der nistkastengrossen Kunsthalle Marcel Duchamp in Cully deutlich. Wie später Duchamp liess sich Eilshemius möglicherweise vom nahen Wasserfall Le Forestay inspirieren. Jedenfalls war er in der Schweizer Bourgeoisie verwurzelt und gastierte oft bei seinen Verwandten am Genfersee. Man kann hoffen, dass eines der helvetischen Museen bald auf die Eilshemius-Begeisterung reagiert. Der Künstler ist nicht nur dank duchampscher Vermittlung aktuell. Wie Banz es fasst, «repräsentiert er - im Zeitalter des enormen Erfolgs von Biennalen und anderen Kunstmanifestationen - den weltfernen und abseitigen Künstler, der seinen persönlichen Weg geht, selbst wenn es schwierig und schmerzhaft ist».

Bis: 04.10.2015


‹Louis M. Eilshemius: Peer of Poet-Painters›, Stefan Banz, JPR|Ringier, Präsentationen folgen bei Michael Rosenfeld, NY, und Eva Presenhuber, Zürich



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Ausgabe 10  2015
Ausstellungen Garage: Louis Michel Eilshemius [11.09.15-04.10.15]
Institutionen Kunsthalle Marcel Duchamp [Cully/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Louis M. Eilshemius
Link http://www.michalerosenfeldart.com
Link http://www.presenhuber.com
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