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Hinweis
10.2015




Basel : ATAK


von: Hans-Dieter Fronz

  
links: ATAK · Herbstmädchen, 2008
rechts: ATAK · Ohne Titel, 2014


Der Zeichner und Illustrator ATAK (*1967) ist mehr als ein Cartoonist - freilich kein politischer Aktivist, wie das Pseudonym glauben machen könnte. Wem einfach nur nach Lachen zumute ist, ist bei anderen Zeichnern besser aufgehoben. ATAKs Kunst ist zwar auch witzig, doch vor allem geistreich, abgründig und surreal. Anfangs, in den Achtzigerjahren, war er Street-Art-Künstler und Comiczeichner. Heute darf er als einer der innovativsten Illustratoren der Gegenwart gelten. In seinen Bildgeschichten verschwimmen die Grenzen von Comic, Kunst und Populärkultur. In ein und demselben Bild, in ‹Flowers and Chickens› (längst haben seine farbenfrohen Schöpfungen die Bezeichnung Malerei verdient) bringt er Zitate und Hinweise auf chinesische Vasenmalerei und Jeff Koons, Andy Warhol und die Beatles, Karl May und Magritte. Überhaupt gehört das Zitat zu seinem wichtigsten Rüstzeug. ‹Der Garten› von 2013 verweist motivisch auf Manets Gemälde ‹Le Déjeuner sur l'herbe› - in der Bildsprache von Matisse.
In Frankfurt (Oder) geboren, wuchs ATAK noch in der DDR auf. Heute lebt er in Berlin; sein Atelier befindet sich auf dem Prenzlauer Berg. ‹Das Wunder von Berlin› ist jetzt die von ihm inszenierte Schau im Cartoonmuseum Basel überschrieben. Das Titelbild ist ein Zitatenmix aus den unterschiedlichsten Bereichen: von George Grosz bis Hergés ‹L'Etoile mystérieuse›. Manche Bilder sind nicht jugendfrei, andere zwischen Wachtraum und Schlaf angesiedelt. Das Wunder, Wunderbare, Mysterieuse spielt eine zentrale Rolle - auch die Exotik. Mit Henri Rousseau teilt ATAK ausser der naiven Bildsprache die Vorliebe für exotische Vegetation. Pflanzen, aber auch Tiere, Eulen zumal, bevölkern die Malereien, die im Bildaufbau nicht selten an alte wissenschaftliche Schautafeln und Bilderbogen angelehnt sind.
In ATAKs Schöpfungen scheint die blühende Fantasie von Vorbildern wie Charles Addams oder Saul Steinberg weiterhin zu gedeihen. Von ihnen und von anderen Cartoonisten sind in die Schau Originalzeichnungen aus der Sammlung des Museums eingestreut, auch «Adaptionen» ihrer satirischen Schöpfungen durch ATAK und seine Schüler. Manch älterer Comic-Held findet bei dem passionierten Tintinologen ein Weiterleben; Tim und Struppi sowieso, die wir hier nicht nur in Indien, im Kongo oder «in Slumberland» erleben. ‹Tintin für Luvre› [sic!] ist eines der Bilder überschrieben. - Warten wir's ab!

Bis: 25.10.2015



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Ausgabe 10  2015
Ausstellungen ATAK. Das Wunder von Berlin [03.07.15-25.10.15]
Institutionen Cartoonmuseum [Basel/Schweiz]
Autor/in Hans-Dieter Fronz
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