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10.2015




Basel/Muttenz : Kilian Rüthemann


von: Françoise Theis

  
links: Kilian Rüthemann · Run Part One, 2015. Foto: Serge Hasenböhler
rechts: Kilian Rüthemann · Run Part Two, 2015. Foto: Serge Hasenböhler


Für das Jahresaussenprojekt schafft Kilian Rüthemann (*1979, Bütschwil, St.Gallen) mit seinem zweiteiligen Werk ‹Run› starke Bilder, in denen er seine Untersuchung zu Aggregatzuständen von Material fortsetzt.
‹Run Part One› prangt als verführerische, riesige Fotografie an der Stirnseite des Gebäudes. Das Bild zeigt in seiner fotografischen Stillstellung den endlos anmutenden, zarten Fluss geschmolzener Schokolade und deren Ablagerung in einer skulpturalen Anhäufung. Ausschnitthaft und extrem vergrössert wird auf Fluss und Anhäufung fokussiert und ein banaler, alltäglicher Vorgang hochästhetisiert und ikonenhaft gezeigt.
‹Run Part Two› ist horizontal auf dem Vorplatz angelegt und besteht aus zwei sich leicht überlappenden rechteckigen Asphaltbahnen. Visuell erscheinen diese zunächst stark gestisch, meint man doch, hier würden zwei schwarze, weiche Matten ausgerollt. Tatsächlich handelt es sich um eine Gussarbeit, die von Strassenarbeitern präzise ausgeführt wurde. Für einmal konnten sie in Ruhe und ohne genervte Blicke ihre Arbeit tun, und dies in der Gewissheit, dass ihr Werk bald mit Kunst-Augen betrachtet würde. In einem Akt der Verdoppelung kommt hier Asphalt auf Asphalt zu liegen, und die Aufmerksamkeit richtet sich paritätisch auf Werk und Werkträger, den Vorplatz. Dieser erscheint nun viel grösser, und das Werk deckt seine Unebenheiten und Schrägen auf. Der Lauf, die Strecke, die Dauer, der Verlauf sowie Laufen sind Bedeutungen des englischen Wortes «run» - und alle klingen sie in Rüthemanns Werk an. Insbesondere kann ‹Run Part Two› auch als ironische Aufforderung gelesen werden: Run! Leg einen kurzen Sprint über das Werk hin!
In der gemeinsamen Betrachtung der zwei Runs scheint das berühmte Werk ‹Asphalt Rundown›, 1969, von Robert Smithson auf: Smithson hatte damals eine Ladung heissen Teers einen Abhang runterkippen lassen. Das Werk markierte den Beginn von Smithsons Untersuchungen zur Entropie. Das Gesetz der Entropie besagt, dass Energie nicht spontan entsteht, sondern in einem geschlossenen System zwangsläufig abnimmt. Dabei gleichen sich Strukturen an und wechseln in einen Zustand bleibender Gleichförmigkeit. Zudem referierte Smithson in ‹Rundown› auf das gestische Action-Painting von Jackson Pollock.
Vor diesem Hintergrund gelingt es Rüthemann, ohne viel Action gestische anti-gestische Bilder zu schaffen, die ungemein viel Bilddenkstoff liefern.

Bis: 31.12.2015



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Ausgabe 10  2015
Ausstellungen Kilian Rüthemann [23.01.15-31.12.15]
Institutionen Kunsthaus Baselland [Basel/Muttenz/Schweiz]
Autor/in Françoise Theis
Künstler/in Kilian Rüthemann
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