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Hinweis
10.2015




Castasegna : Florio Puenter


von: Céline Gaillard

  
links: Florio Puenter · Uta von Naumburg (André Malraux), o.D., Fotografie auf Cibachrome
rechts: Florio Puenter · Annemarie Schwarzenbach, 2000, Ilfochrome-Print


Die Möglichkeiten und Spuren der Fotografie bilden einen programmatischen Brennpunkt der Kunsteinrichtungen des Bündner Kunstmuseums in der Villa Garbald. Die von Gottfried Semper erbaute Villa trägt den Familiennamen ihrer Auftraggeber/innen, des Zollwächters und Naturwissenschaftlers Agostino Garbald und seiner Frau und Schriftstellerin Johanna Garbald-Gredig. Ihr ältestes Kind sollte rund ein halbes Jahrhundert nach seinem Tod Grund für diese Programmausrichtung werden: Andrea Garbald (1877-1958), zeitlebens kaum bekannt, gilt heute als wichtiger Künstlerfotograf und Chronist des Bergell. Seinem Ruhm zeitlich voraus eilte insbesondere eine seiner Fotografien: Das 1911 entstandene Familienbild der vollständigen Künstlerfamilie Giacometti. Erst als auf dem Dachboden der Villa die hinterlassenen Glasplatten und damit das gesamte Schaffen des Fotografen entdeckt wurde, nahm man es in seiner herausragenden Bedeutung wahr - es wurde wortwörtlich vom darüber liegenden Staub befreit.
Die aktuellen, sich im Seminarhaus und im 2004 dazugekommenen Wohnturm von Miller und Maranta gut einfügenden Bilder stammen von Florio Puenter (*1964). Auch sie spielen mit dem kollektiven Bildgedächtnis, das häufig bekannter ist als seine Ursprünge. Thematisiert wird unter anderem die Reprofotografie von Kunstwerken, die uns jene oftmals überhaupt erst bekannt macht und unser Bild von ihnen nachhaltig prägt. Puenter appropriiert historische Aufnahmen und unterzieht sie einer weiteren Bearbeitung, intensiviert bestimmte Aspekte, indem er die dem Medium inhärenten Möglichkeiten durchkonjugiert oder mittels Negativ-Verfahren und Unschärfen in einen nostalgisch verklärten Zeitgeist taucht. Nicht nur die technischen Eingriffe variieren stark, neben den historischen Aufnahmen finden sich auch eigene, die mit jenen nur hinsichtlich Aspekten wie Stille und Menschenleere übereinstimmen.
Damit erhalten wir seit einigen Jahren die erste Gelegenheit, das künstlerische Schaffen des im Unterengadin geborenen und mehrere Monate im Jahr in New York lebenden Künstlers wieder in einer Einzelschau zu sehen. An diesem Ort, der so stark mit dem Medium Fotografie verbunden ist, wird dieses Ausloten der medialen Aspekte besonders erfahrbar.

Bis: 31.07.2016



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Ausgabe 10  2015
Ausstellungen Gastspiel Bündner Kunstmuseum: Florio Puenter [05.07.15-31.07.16]
Institutionen Villa Garbald [Castasegna/Schweiz]
Autor/in Céline Gaillard
Künstler/in Florio Puenter
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