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10.2015




Langenbruck : Not Vital


von: Markus Stegmann

  
links: Not Vital · Leading the Way, 2012, polierter Chromstahl, Höhe 777 cm, Edition 2/3, Sammlung Kloster Schönthal. Fotos: Heiner Grieder
rechts: Not Vital · Piz Nair, 2013, Kohle und Stahl, 165x55x70 cm, Unikat (Vordergrund) und ‹Head 3›, 2013, polierter Stahl mit PVD-Beschichtung, 175x130x120 cm, Edition 1/3 (Hintergrund)


In den atmosphärischen Räumlichkeiten des Klosters Schönthal zeigt Not Vital (*1948, Sent) einen kleinen Einblick in seine Arbeit der letzten Jahre. Er zählt zu den wenigen Schweizer Kunstschaffenden, die im Ausland mehr Beachtung finden als hierzulande. Vielleicht mag dies auch daran liegen, dass der Künstler nicht nur in verschiedenen Kontinenten unterwegs ist, sondern dort auch Ateliers unterhält. So stellt er vorzugsweise Werke vor Ort, unter Einbezug lokaler Fachpersonen und ortsspezifischer Materialien her.
Wie ein überdimensionaler Wanderstab lehnt ‹Leading the Way› an einem Gebäude des Klosters. Seine knospenhaften Dornen brechen unregelmässig das Licht. Wie ein sensibler Fühler fängt er bei Sonnenaufgang erste Sonnenstrahlen ein. Selbstbewusst gegen den Himmel gerichtet, möchte man dem Wunderstab auch die Ableitung von Blitzen zutrauen. Verschlossen in sich gekehrt ruht hingegen ‹Head 3›, ein dunkler, glänzender Kopf in Menschengrösse, sockellos im Inneren des Klosters. Höchst minimal sind die Hinweise auf einen Kopf: Eine feine Kante deutet auf die Nase, und in der Profilansicht zeichnet sich ein Hinterkopf ab, so dass das Gebilde unerwartet labil erscheint. Wie der Helm eines galaktischen Astronauten oder sein abstrahiertes Bildnis zieht der Kopf die Blicke magisch auf sich. Augenlos schaut er durch die Betrachtenden hindurch, mündet in sogartige Zeitlosigkeit und öffnet den Hallraum der Unendlichkeit, zumal in der Stille der Klosterräume.
Nicht weniger konzentriert, wenngleich weitaus weltlicher begegnet die kleine Skulptur ‹Bejing Duck in Gold›, in einem kubischen Raum hoch oben von der Decke hängend. Mit abgehackten Extremitäten als handlicher Braten zubereitet, erscheint das Tier als schillernde Metapher für den globalen Sonntagsbraten und für die erwachte Lust am Fleisch in seinem Ursprungsland und anderswo. Zugleich kann man die Arbeit als Memento mori für eine unbekannte Ente lesen, die hier stellvertretend für Millionen ihrer Art die Frage nach Massentierhaltung und Fleischkonsum stellt.
Weitere Werke der Ausstellung wie die Skulpturen ‹Piz Nair› und ‹Naked Animal with Roof› oder die Zeichnungsserie ‹Everton› entfalten ihre Wirkung über das Material bzw. dessen Ästhetik und erreichen nicht ganz die innere Kraft und Konzentration der oben beschriebenen Arbeiten.

Bis: 08.11.2015



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Ausgabe 10  2015
Ausstellungen Not Vital [05.06.15-08.11.15]
Institutionen Kloster Schönthal [Langenbruck/Schweiz]
Autor/in Markus Stegmann
Künstler/in Not Vital
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