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10.2015




München : Zilla Leutenegger


von: Roberta, De Righi

  
links: Zilla Leutenegger · Kitchen aus der Werkgruppe ‹Apartment›, 2004-2007. Foto: Nicole Wilhelms
rechts: Zilla Leutenegger · Library und Mobile Z aus der Werkgruppe ‹Apartment›. Foto: Nicole Wilhelms


«Z» ist jetzt eingezogen; über luxuriöse 400 Quadratmeter erstreckt sich ihr Münchner Domizil. «Z» ist das Alter Ego von Zilla Leutenegger (*1968), das sich jetzt im Saal 21 der Pinakothek der Moderne eingerichtet hat. Hier präsentiert die Zürcher Künstlerin ihre Werkgruppe ‹Apartment› aus den Jahren 2004 bis 2007, die im Besitz der Münchner Sammlerin Ingvild Goetz ist, in einer gelungenen Kombination mit einigen aktuellen Arbeiten.
‹Apartment› besteht aus sieben Einzel-Installationen, die zusammen quasi eine Typologie von Wohnräumen ergeben. Während man Korridor, Küche, Bibliothek, Büro und Wohnzimmer durchschreiten kann, ist in Bad und Schlafzimmer nur der Blick durch den Spalt der angelehnten Tür möglich. Die Möblierung ist meist mit lockerer Hand an die Wand skizziert, doch immer wieder treten Objekte wie Waschbecken oder Kamin dreidimensional hervor. Manchmal erweitert auch ein echtes Möbelstück wie Charles Eames' Liegesessel das Arrangement. Präzise ergänzen Projektionen die gezeichneten Elemente, gehen Wandzeichnung und Computeranimation ineinander über - und im Kamin flackert ein digitales Feuer.
Darüber hinaus belebt Leutenegger dieses Wohnszenario mit subtiler Lichtinszenierung und Geräuschkulisse: Durch die Vorhänge im Schlafzimmer dringen die sehr realistisch und zugleich poetisch wirkenden Lichtreflexe vorbeifahrender Autos. Und die der Schau ihren Namen gebende Installation ‹Ring My Bell› einer Leuchte gleich am Eingang erzeugt mit dem Geräusch umherschwirrender Fliegen die Stimmung einer warmen Sommernacht. Auch ‹Z› selbst taucht schemenhaft auf, etwa als Schatten unter der laufenden Dusche. Man kann sie aber nur indirekt im Spiegel sehen.
Leutenegger selbst beschreibt sich noch immer als Zeichnerin, und auch wenn sie halb reale, halb virtuelle Environments schafft, in denen alle Gattungen zusammentreffen, verfestigt sich der Eindruck, dass die zeichnerische Finesse tatsächlich alle Teile des Ganzen charakterisiert. Und Fragmentierung ist die zweite Konstante dieser Kunst: So wie Raum und Fläche zerschnitten werden, um als umso prägnantere Illusion neu zu auferstehen, zerlegt Leutenegger etwa in ‹Mobile Z› ihren Namen in die einzelnen Buchstaben. Das Ergebnis ist stets komplexer als die Summe der einzelnen Teile.

Bis: 04.10.2015



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Ausgabe 10  2015
Ausstellungen Zilla Leutenegger [26.06.15-04.10.15]
Institutionen Pinakothek der Moderne [München/Deutschland]
Autor/in Roberta, De Righi
Künstler/in Zilla Leutenegger
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