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Hinweis
10.2015




Schaffhausen : Sereina Steinemann


von: Deborah Keller

  
links: Sereina Steinemann · Kobolt, 2015, Acryl auf Baumwolle, 115x110 cm. Foto: Jürg Fausch
rechts: Sereina Steinemann · Blick in die Ausstellung. Foto: Jürg Fausch


Ruhig und beinahe feierlich wirkt der grosse Saal des Museums zu Allerheiligen mit den Gemälden der diesjährigen Manor-Kunstpreisträgerin Schaffhausen. Sereina Steinemanns (*1984) Bilder aus meist horizontalen Farbbahnen sind gegenüber der Wand mit den grossen Oberlichtfenstern platziert, fast so, als hätten sie Blick ins Weite reklamiert. Man traut diesen Gemälden eine solche Forderung durchaus zu, erwecken sie doch den Eindruck von sehr bewussten Farbsetzungen und von lustvoll bestimmtem Umgang mit den Eigenheiten des Farbauftrags. Die seitlichen Wülste beispielsweise, die der quer über die Leinwand gezogene Pinsel hinterlässt, sind subtile, aber wesentliche Bestandteile der Bildkomposition. Die «Streifenmuster» verlaufen zudem nie ganz parallel, sondern sind deutlich freihändig gesetzt. Mal ist ein weisser Farbspritzer auf dem schwarzen Bildgrund zu sehen, mal eine schwarze Pinselhaarspur am Rand der lachsroten Farbbahn. Das alles verleiht der Malerei bei aller Ernsthaftigkeit etwas Leichtfüssiges, Bewegtes. Kontemplative Versenkung ins Erhabene wie bei der kanonischen Farbfeldmalerei, mit der man Steinemann trotz der kleineren Formate versuchsweise vergleicht, steht hier kaum im Vordergrund. Die Freude an der Farbe als Material, am Prozess des Malens und am Ausloten von Farbkontrasten und -nuancen wird primär spürbar. Möglich, dass dieser unverkrampfte Zugang daher rührt, dass Steinemann zunächst im Bereich von Installation und Konzeptkunst agierte. Ein konzeptueller Ansatz schlägt auch die Brücke zur Malerei: Steinemanns Farben wie auch die Bildtitel, die oft Dinghaftes benennen, sind «Fundmaterialien». Allerlei Druckerzeugnisse und Fotos mit Farben, die sie interessieren, werden von ihr archivarisch verwahrt, ebenso werden Nomen im Alltag auf Zetteln notiert und diese Zettel chronologisch abgelegt. Daraus entsteht ein offener Fundus, aus dem die Künstlerin intuitiv auswählt, um ihre Bilder zu komponieren. Einen Ausschnitt aus der Wortsammlung kann sich das Publikum in Form des aufliegenden Taschenbuchs ‹Fuchs› mitnehmen. Mit seinen weitgehend leeren Seiten - je nur mit einem Begriff besetzt - wirkt der Band wie eine Einladung, eigene Wortfunde hinzuzufügen. In einem Nebenraum wird zudem eine Videoarbeit gezeigt, in der Steinemann in Kooperation mit Julia Bodamer Jeff Walls ‹Destroyed Room› als kleinformatiges Modell nachbildet. Von dieser etwas didaktisch geratenen Darstellung des gemeinsamen Bildfindungsprozesses kehrt man gerne zurück in den Raum der Gemälde und freut sich darauf, in Zukunft weiter von Steinemann zu hören.

Bis: 25.10.2015


Publikation: Pappe Ginster Stall, edition fink, 2015



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Ausgabe 10  2015
Ausstellungen Sereina Steinemann [02.09.15-25.10.15]
Institutionen Museum zu Allerheiligen [Schaffhausen/Schweiz]
Autor/in Deborah Keller
Künstler/in Sereina Steinemann
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