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Hinweis
10.2015




Winterthur : ‹Collecting Lines›


von: Thomas Schlup

  
links: Collecting Lines, 2015, Salon Villa Flora mit Werken von Paul Thek, Robert Overby, Valentin Carron, Karen Kilimnik, Louise Lawler, Raymond Pettibon ©ProLitteris. Foto: Gerhard Born
rechts: Collecting Lines, 2015, Bibliothek mit Werken von Steven Shearer, Jim Shaw, Albert Oehlen, Das Institut ©ProLitteris. Foto: Gerhard Born


Die schöne ‹Flora› und ihr Garten leben, wenn auch die angestammten Werke zurzeit auf grosser Europatournee sind und nun im Musée Marmottan Monet in Paris ausgestellt werden. Dafür erhalten externe Exponate Gastrecht: Aus der seit 1995 durch Beatrix Ruf kuratorisch betreuten und seit zwanzig Jahren bestehenden Sammlung Ringier werden mit ‹Collecting Lines› nun Zeichnungen und Arbeiten auf Papier gezeigt. In ‹Kapitel I› präsentierten Ruf und ihr Co-Kurator Arthur Fink im Frühling eine dichte Folge von Zeichnungen in allen Formaten und Ausführungen. So korrespondierten die streng geometrischen und doch floralen Kugelschreiberzeichnungen von Eugene van Bruenchenstein (1910-1983) mit der locker gemalten Arbeit ‹Mischief and other Horses at the Pool› von Karin Kilimnik (*1955), deren Grossformate im Salon auf strenge Radierungen von Rodney Graham (*1949) trafen.
Für ‹Kapitel II› wurde das Format der Zeichnung neu befragt und geöffnet. So steht man im Eckzimmer unvermittelt vor einer zwischen zwei Nägeln gespannten Goldkette von Scott Myles (*1975), die behauptet, eine Zeichnung zu sein. Ist sie das? Ist eine Zeichnung nicht etwas Zweidimensionales, vielleicht sogar flüchtig Hingeworfenes? Nun, die Kette zeichnet eine Linie in den Raum, und dies schnurgerade. Eine Raum-Zeichnung.
Nicht umsonst befasst sich die Ausstellung mit dem Sammeln von Linien. Da kann es schon vorkommen, dass Franz West im Salon eine Wortlinie von ‹Kant› zur ‹Kantine› als dessen weibliche Form bildet. Nick Ralph/Oliver Payne (*1977, 1979) hängen ein ‹Night/Thing› an die Wand, bestehend aus Etuis, CDs und DVDs hinter Strukturglas. Josh Smith (*1976) collagiert Papier auf Holz. Jenny Holzer (*1950) lässt im leider erneut durch eine Installation verstellten Oberlichtsaal eine Leuchtschrift laufen und zeichnet aus Punkten Buchstaben. Die Spannbreite der gezeigten Werke reicht von klassischen Zeichnungen mit Kohle auf Bütten bis zu Collagen hinter neonfarbigem Plexiglas.
Auch die Decken einzelner Räume wurden mit einbezogen: Da drängen sich die ‹Speech Bubbles› von Philippe Payne (*1964). Sie leuchten verlockend rot, so wie glänzende Chilbi-Ballone, sind aber unbeschriftet. Die Geschichten dazu, vielleicht mit einem ‹Knarr!› der Holzböden in einer der Bubbles, dürfen sich die Besuchenden immer wieder neu ausdenken, aussprechen, ausmalen - oder eben aus-zeichnen. Ein Hauch ‹Petersburger Hängung› durchzieht die ehrwürdigen Räume der charaktervollen Villa. Gitter vor den Wänden geben einigen Zimmern den Charakter eines Schaulagers. - Ein engagierter Trägerverein hält den Betrieb des Hauses mit Führungen und Matineen aufrecht. Am Eingang wird man freundlich empfangen.

Bis: 15.11.2015



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Ausgabe 10  2015
Ausstellungen Collecting Lines (II) [29.08.15-15.11.15]
Institutionen Villa Flora [Winterthur/Schweiz]
Autor/in Thomas Schlup
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