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Besprechung
11.2015


Markus Stegmann :  Das Kunsthaus Baselland widmet sich dem Thema Zeichnung und geht der Frage nach, ob es in Basel so etwas wie ein Zeichnungsklima gibt. Nicht weniger als 18 Kunstschaffende zeigen neue und teils auch frühere Arbeiten. Das Spektrum reicht von der klassischen Handzeichnung bis zu installativen Setzungen.


Basel : Überzeichnen. Von Basel aus - Das ursprünglichste aller Medien


  
links: Überzeichnen. Von Basel aus, 2015, Installationsansicht Kunsthaus Baselland. Foto: Serge Hasenböhler
rechts: Überzeichnen. Von Basel aus, 2015, Installationsansicht Kunsthaus Baselland. Foto: Serge Hasenböhler


Spätestens seit den Achtzigerjahren gab es in Basel für das Medium Zeichnung günstige Bedingungen. Unter Dieter Koepplin oder Jean-Christophe Ammann präsentierten nicht nur Kunstmuseum und Kunsthalle regelmässig zeitgenössische Zeichnungsausstellungen, auch Galerien wie Stampa oder Elisabeth Kaufmann hatten massgeblichen Anteil. Abgesehen von dieser regionalen Bezugnahme zeigt sich in der Gegenwartskunst bereits seit einigen Jahren eine erneute Hinwendung zur Zeichnung. Generationenübergreifend experimentieren Kunstschaffende mit dem ursprünglichsten aller Medien, mag dies an einem Überdruss an Bildschirm und digitaler Technik liegen oder an einer neu erwachten Lust an der verführerischen Sinnlichkeit der Linie auf Papier.
Maya Rieder (*1979, Niederbipp) gelingt es, den unruhigen Eingangsbereich des Kunsthauses mit grossformatigen, dicht aneinandergefügten Zeichnungen zu orchestrieren. Ihre konstruktiven, parallelisierten Linienbündel nehmen den Dialog mit der umgebenden Architektur auf und schaffen einen wandfüllenden Hallraum. Jürg Stäuble (*1948, Wohlen) findet in einer grossformatigen Wandzeichnung zu einer eindrucksvollen Verschmelzung von Einfachheit und Komplexität. Aus konstruktiven Geraden, die auf mehrere Fluchtpunkte perspektivisch zulaufen, kristallisiert sich eine Horizontlinie heraus, die eine ebenso leichte wie dynamische Vorstellung landschaftlicher Abstraktion entwirft. Dem stehen linienhaft dünne Bauelemente von Eric Hattan (*1955, Wettingen) gegenüber: Sinnlich präsent markieren sie eine haptische Vertikale, die einen materiellen Kontrapunkt zur ephemeren Neigung des Zeichnerischen setzt, und dies nicht ganz ohne subtilen Humor. Cécile Hummel (*1962, Münsterlingen) zeigt diesbezüglich ganz andere Möglichkeiten: die Sondierung von Zeit, Erinnerung und das Geheimnis des Sehens. Unter dem Titel ‹looking out - looking in› blicken uns porträtierte Masken und Porträts historischer Malerei oder Skulptur entgegen. Aber auch ein Rochen hat sich mit seinem auffälligen Augen- und Nasenpaar in Form einer Fotografie eingeschlichen, so dass das Geheimnis des Sehens in vielfältigen Variablen aufflackert. In konzentrierten, tastenden Bewegungen spürt Silvia Bächli (*1956, Wettingen) der elementaren, formbildenden Kraft der Pinselzeichnung nach. Es entstehen einfache, geradezu archaische Gitterstrukturen, die das alte Terrain der Zeichnung einmal mehr neu und unverstellt vermessen.

Bis: 15.11.2015



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Ausgabe 11  2015
Ausstellungen Überzeichnen [18.09.15-15.11.15]
Institutionen Kunsthaus Baselland [Basel/Muttenz/Schweiz]
Autor/in Markus Stegmann
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