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Besprechung
11.2015


Stefanie Manthey :  Der Brite Merlin Carpenter ist nicht zu fassen. Die Kuratorin Valérie Knoll zeigt ihn aus langjährigem Interesse an seiner Arbeit und an seiner Vorstellung von Ersatzkreativität in der zweiten Ausstellung, nachdem sie die Leitung der Kunsthalle Bern übernommen hat.


Bern : Merlin Carpenter - Es ist, was es ist.


  
Merlin Carpenter · Midcareer Paintings, 2015, Ausstellungsansicht Kunsthalle Bern. Foto: Gunnar Meier


Merlin Carpenter (*1967) war Assistent bei der Künstlertrias, die zeitlebens den Fokus auf sich zu richten wusste und es mit der Pubertät als Haltung weit gebracht hat: Kippenberger, Oehlen und Büttner. Über das Phänomen Künstlerassistent hat er in ‹Texte zur Kunst› geschrieben: der Zeitschrift, die ihn seit ihrer Gründung 1990 in Köln geprägt hat. Darin benennt er präzise Verhaltensweisen, die zum Phänomen Künstlerassistent dazu gehören: Ersatzkreativität zu leben, sich der Arbeitsweise des anderen in der Mimikry zu appropriieren und den Anspruch, künstlerisch Stellung zu beziehen solange zu vertagen, bis man als Anderer auferstehen kann. «The reality of working for other artists has been elided, but only temporarily.»
Carpenter arbeitet seit seinem Studium an der Central St. Martin's School of Arts mit einer Portion schwarzem Humor und agiert als Figur, die um die Schizophrenien und selbstaffirmativen Rituale der Kunstwelt weiss, diese im offenen Vollzug orchestriert und in seinem Schaffen als Arbeitsform weiterentwickelt. So entstand in der Ausstellungsreihe ‹The Opening›, 2007-2009, neben Readymades auch Gemälde als käuferfreundliches Kunstformat, auf das sich alle verständigen können. Eine Gruppe von Keilrahmen, die mit Fake Burberry-Stoff bespannt waren, hat er 2013 auf der ‹Burberry Propaganda Tour› mit Station in Estland, Lettland, Russland, Litauen, Polen und Deutschland durch alle Zollstationen und Grenzkontrollen begleitet, bevor sie an Kunst-Orten und Nicht-Kunstorten mit den Rückseiten nach aussen gezeigt und wieder eingepackt wurden. Seine erste Einzelschau in der Schweiz ist eine Malerei-Ausstellung, die in Zusammenarbeit mit seinen sieben internationalen Galerien auf die wohlproportionierten sieben Räume der Kunsthalle Bern um den zentralen Oberlichtsaal zugeschnitten ist. Dort hängen jeweils mittig und perfekt ausgeleuchtet
Exemplare einer auf 2016 vordatierten, unverkäuflichen Werkgruppe, für die Carpenter Packdecken auf Keilrahmen im einheitlichen Format mittlerer Grösse gespannt und rückseitig signiert hat. Sie sind, was sie sind: ‹Midcareer Paintings›, für die Carpenter die Spielregeln ihrer Distribution selbst mitbestimmen will. Welche Aufwertungsmechanismen der alltagstaugliche, schallabsorbierende, polyesterfadenverstärkte Materialmix aus Resten von Baumwolle, Viskose und Synthetikfasern in der Oberflächenspannung durchlaufen wird, wird sich zeigen.

Bis: 01.11.2015


‹Painting 2.0. Malerei im Informationszeitalter›, Merlin Carpenter ist mit einer Auswahl seiner ­Early Works vertreten, Museum Brandhorst, 14.11.-30.4.2016



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Ausgabe 11  2015
Ausstellungen Merlin Carpenter [19.09.15-01.11.15]
Institutionen Kunsthalle Bern [Bern/Schweiz]
Institutionen Museum Brandhorst [München/Deutschland]
Autor/in Stefanie Manthey
Künstler/in Merlin Carpenter
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