Links zum Text und die Möglichkeit, diese Seite weiterzusenden, finden Sie am Ende dieser Seite


Besprechung
11.2015


Françoise Theis :  Konzise fügt Susanne Hofer in einem Dreiklang Videos, Fotografien und eine Zeichnung in die atypischen Räume der neu in Basel ansässigen Galerie Marianne Grob ein. In einer stimmigen Präsentation schafft sie eine visuell attraktive Reflexion über die Wirkkraft von Bildern und gleichzeitig deren Fragilität.


Basel : Susanne Hofer - Durchlässige Bilder


  
links: Susanne Hofer · Port Liberté, Video HD, loop, ohne Ton, 2015, Installationsansicht
rechts: Susanne Hofer · Port Liberté, Video HD, loop, ohne Ton, 2015, Installationsansicht


Zu den Galerieräumen im Hinterhof gelangt man durch einen dunklen Durchgang, in den auch gleich das erste Werk ‹The Clearing› eingelassen ist. Es gilt, durch eine Wasserpfütze zu schreiten, denn Susanne Hofer (*1970) projiziert hier grossformatig ‹Reflexion›, 2015, auf den fleckigen Boden. Am Time Square bei einsetzendem Regen hat die Künstlerin während ihres letztjährigen Atelierstipendiums eine kleine Wasserlache gefilmt. Diese zeigt zunächst ein Spiegelbild mit den für New York so typischen Leuchtreklamen. Sukzessive verformt sich die Aufnahme durch die von einzelnen Tropfen geschlagenen Kreiswellen, bis dass bei prasselndem Regen die Werbebotschaften in einen grellen Farbteppich zerfliessen. Das Gesehene mutiert zu einer Bildstörung, verantwortet durch einen ‹Hacker-Angriff› des Regens oder auch zu einem psychedelischen Bild, welches wie digital generiert erscheint.
Auch in ‹Port Liberté›, 2015, engagiert Hofer die Natur als Regisseur. Dass es sich beim gezeigten Idyll aus Kanal, Promenade und neuen Überbauungen um eine bedruckte Werbeplane handelt, lüftet erst ein Windstoss. Die Blache hebt sich an, wirft Wellen und plötzlich wird eine Ecke umgeschlagen. Dahinter erhascht man durch einen Maschendraht immer wieder Bruchstücke der ungeschönten Wirklichkeit: hohes, wucherndes Gras, schäbige Häuserzeilen. Da das Video die ganze Galeriewand ausfüllt, vermag es eine Illusion zu schaffen: Wie bei einem Trompe-l'oeil möchte man die Blache heben, um einen Blick auf das Dahinter zu werfen. Indem sie ein bewegtes Bild filmt, gelingt es Hofer, die Verortung des Bildes zu verwischen. Nacheinander fallen Träger wie Plane, Maschenzaun oder Galeriewand und wir werden auf die Transparenz der Filmbilder verwiesen. Beide Videoarbeiten heben alltäglich Übersehenes hervor, in ästhetisch klarer, doch visuell herausfordernder Art und Weise. Gleichzeitig entlarvt Hofer die uns umgebende Werbewelt als Potemkinsche Dörfer - ein Windstoss, ein Regenguss genügt, um deren glatte Oberfläche zum Bröckeln zu bringen.
Eine kleine Kreidezeichnung steht emblematisch für ihre Arbeitsweise: Genau um zwölf Uhr mittags hält sie auf dem Boden den durchs Fenster fallenden Schattenwurf in Kreide fest. Es ist eine ephemere Zeichnung, die ein unspektakuläres Bild zur ­Ikone macht und zeigt, dass wir von fantastischen Bildern umgeben sind.

Bis: 14.11.2015



Links

Anfang Zurück zum Anfang
Ausgabe 11  2015
Ausstellungen Susanne Hofer [11.09.15-14.11.15]
Institutionen Galerie Marianne Grob [Basel/Schweiz]
Autor/in Françoise Theis
Künstler/in Susanne Hofer
Weitersenden http://www.kunstbulletin.ch/router.cfm?a=151014165619IAA-8
Geben Sie diesen Link an, falls Sie diesen Eintrag weitersenden möchten.