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Hinweis
11.2015




Baden : Verhüllen, Enthüllen


von: Daniela Hardmeier

  
links: Niddy Impekoven · Der gefangene Vogel, 1919, Foto von Anny Eberth, Adrien Sina Collection
rechts: Ruth · PageExpanding Universe, Kostümdesign von Isamu Noguchi. Foto: Fay Sturtevant Lincoln


Das Museum Langmatt zeigt drei Ausstellungen, die sich in unterschiedlichem Masse mit den Themen Ver- und Enthüllen, der Bewegung und dem Tanz auseinandersetzen. In der Villa werden in vier dichten Räumen Fotografien und Filme der wichtigsten Tänzerinnen der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts ausgebreitet. Gezeigt wird ein kleiner Teil der umfangreichen Sammlung von Adrien Sina unter dem Titel ‹Feminine Future - The Membran of the Dream›. Sinas Sammlung beleuchtet die Rolle der weiblichen Avantgarde im Bereich Tanz und Performance in einer Zeit, die geprägt ist von gesellschaftlichen Umbrüchen und ­einer bis dahin ungekannten Freiheit der Frauen, über ihren eigenen Körper zu verfügen und sich über diesen auszudrücken. Die skulptural anmutenden Bilder dieser ausserordentlichen Tänzerinnen wie Isadora Duncan, Loïe Fuller, Ruth Page oder Niddy Impekoven ziehen einen sogleich in ihren Bann. Tanz, Bewegung, körperlicher Ausdruck und Fotografie verbinden sich zu einem vielschichtigen Bild der frühen Performancekunst.
Im Garten zeigt Christopher Füllemann Installationen, die vor Ort, mit Bezug auf Haus und Garten sowie das Thema des Schleiers entstanden sind. Ein gewisser Witz liegt in diesen seltsamen Gebilden, die zwischen Skulptur, Gartenmöbel und Blumenbepflanzung changieren. Etwas beliebig erscheint jedoch die Platzierung im Park, und so bleibt man letztlich ratlos vor den mit inhaltlichen Bezügen befrachteten Werken stehen.
Im Keller des Hauses wird der dritte Teil dieses Ausstellungsparcours gezeigt, Pauline Boudry & Renate Lorenz haben hier ihren Film ‹Salomania›, 2009, installiert, in dem der Tanz der sieben Schleier aus dem Stummfilm ‹Salomé›, 1923, neu interpretiert wird. Die Figur der Salome inspirierte seit dem beginnenden 20. Jahrhundert Tänzerinnen, stand sie doch u.a. für freie weibliche Sexualität und aktives Handeln.
Viel hat man sich vorgenommen für dieses zweite, doch überraschenderweise auch schon letzte Jahr unter der Leitung der Kuratorin Sarah Zürcher in der Langmatt, und das ist anregend. Für die aussergewöhnliche Sammlung von Adrien Sina wünschte man sich jedoch mehr Platz und Vermittlung. So stehen diese Fotografien und Filme und damit dieses spannende Kapitel in der Geschichte des Tanzes und letztlich auch des Aufbruchs starker Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu isoliert da. Lohnenswert ist daher der Blick in die von Sina herausgegebene Publikation ‹Feminine Futures. Performance, Dance, War, Politics and Eroticism› von 2011.

Bis: 29.11.2015



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Ausgabe 11  2015
Ausstellungen Feminine Futures [26.04.15-29.11.15]
Video Video
Ausstellungen The Membrane of the Real [26.04.15-29.11.15]
Ausstellungen Festival Tanz & Performance [19.06.15-21.06.15]
Institutionen Museum Langmatt [Baden/Schweiz]
Autor/in Daniela Hardmeier
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