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Hinweis
11.2015




Basel : Eine fiktive Reise


von: Iris Kretzschmar

  
links: Gudmundur Thoroddsen · An Important Game, 2015, 85x64 cm
rechts: Ragnar Kjartansson · Raging Pornographic Sea, 2012, 150x200 cm, Bleistift und Kohle auf Papier


Im Zusammenhang mit der 13. Ausgabe von Culturescapes präsentiert der Ausstellungsraum Klingental zeitgenössische Kunst aus Island. Alles begann mit einer Exkursion des Kuratorenteams Thomas Heimann, Nic Bezemer und Annina Zimmermann in den Norden. Das Erlebnis der archaischen Landschaft und Begegnungen mit der lebendigen Kunstszene formten die Ausstellung in Basel.
Im Eingangsbereich taucht man mit der Videoinstallation ‹Demented Diamond› von Kling og Bang Gallery in die fremde Kultur ein. Die bekannte Künstlergruppe zeigt hier eine facettenreiche Auswahl an Filmen aus ihrem Archiv aktueller isländischer Videokunst.
Island spielt auch im hiesigen Kunstschaffen - bei Roman Signer und anderen - eine wichtige Rolle, ebenso hat die Schweiz ihre Spuren vor Ort hinterlassen: Seit Dieter Roth in den Fünfzigerjahren dort seine zweite Heimat fand, sind kleinere und grössere Kunstinitiativen entstanden. Vice versa ist auch die Präsenz isländischer Kunstschaffender in der Schweiz gestiegen. Bereits 1984 präsentierten Silvia Bächli und Eric Hattan in der Filiale, dem ersten Offspace in Basel, eine Schau unter dem Titel ‹Treffen im Gebirge›. Damals stellten Tumi Magnússon und Eggert Pétursson mit aus.
Heute begleitet Magnússons minimalistische Musik eines Schiffsmotors die Besuchenden zum Modell eines Denkmals für ertrunkene Fischer. Die monumentale Plastik Ragnar Kjartanssons steht an der Küste bei Helissandur und erinnert an die Bedrohung und existenz­sichernde Rolle des Meeres für ganze Generationen. Der Bildhauer, 1989 verstorben, steht an der Spitze einer Künstlerfamilie, die mit einer Collage aus gezeichneten Meeresausschnitten präsent ist. Die reiche Flora Islands erscheint auf Ölbildern von Eggert Pétursson. Mit grosser Detailfreude malt er Moose und Blüten als Allover in mikroskopischer Nahsicht. Ins Landschaftsthema fügen sich Wandarbeiten aus vulkanischen Pigmenten von Thomas Heimann, gemalte Schneeflecken von Nic Bezemer und Zeichnungen von Silvia Bächli, die sie 2008 in Island für den Schweizer Pavillon in Venedig erschuf. Als Kontrapunkt zur Natur stehen die ironisierenden Zeichnungen einer männlichen Jugend von Gudmundur Thoroddsen.
Mit subjektiven Sichtweisen und in unterschiedlichen Medien breitet sich so ein fein gesponnenes Geflecht aus visuellen und kulturellen Bezügen im Raum aus.

Bis: 22.11.2015



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Ausgabe 11  2015
Ausstellungen Unterwegs nach Hellissandur [17.10.15-22.11.15]
Institutionen Ausstellungsraum Klingental [Basel/Schweiz]
Autor/in Iris Kretzschmar
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