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11.2015




Genève : Simone Schardt


von: Katharina Holderegger Rossier

  
links: Simone Schardt · Vocabulaire du ♦, 2015 , Ausstellungsansicht mit ‹Not with me/And not without (La Roche-Posay)›, 2015, Schreibmaschine, Pigment auf Papier, 29,7x21 cm, Courtesy Galerie Skopia. Foto: Valérie Jaquinet
rechts: Simone Schardt · Vocabulaire du ♦, 2015, Ausstellungsansicht; ‹Une taxonomie des formes (tableau A+B), 2015, Collage, Bleistift auf Papier, je 29,7x21 cm), Courtesy Skopia. Foto: Valérie Jaquinet


Simone Schardt (*1971) taucht selten dort auf, wo man sie zuletzt gesehen hat. Die Koordinaten, an denen ihre zugleich künstlerische, kritische und kuratorische Praxis nicht nur medial, sondern auch lokal auf ein Publikum trifft, können mit White Cubes, Hörsälen oder Seminarräumen zusammenfallen, aber auch in Privathaushalten oder Tiefgaragen versteckt sein. Und manchmal sind sie gar nicht zu fixieren wie bei ihrem ‹Cinéma sublime›, 2006. Dieses präsentierte sie auf der Basler Rheinfähre im Rahmen des seit 2003 zusammen mit Wolf Schmelter (*1974) betriebenen Instant-Kinos ‹Kinoaparatom›, mit dem sie das kritische Potenzial des Experimentalfilms der sechziger, siebziger Jahre neu ausloten.
Erstmals seit 2010, als Schardt das Ensemble ‹The Intern›, 2009, an der Art Cologne präsentierte, ist nun aber in der Galerie Skopia wieder eine ihrer raren Soloschauen mit ihren auserlesenen Werkserien auf Papier zu sehen. Trotz des Sprungs durch Raum und Zeit schliesst diese jedoch quasi nahtlos an ‹The Intern› an. Im Gegensatz zu den damaligen Blättern, die mit feinem Witz auf die Codes anspielten, denen man sich bei einem Praktikum erstmals beugen muss, weisen die neuen Arbeiten nämlich gerade auf die Zwischenräume, die sich selbst bei akuter Anpassung noch für andere Okkupationen und Konfigurationen auftun. So hat Schardt, was sie mit Bezug auf die freudsche Traumtheorie augenzwinkernd als ‹Tagesreste› ihrer alten Collagen und Zeichnungen bezeichnet, neu zu einer ‹Taxonomie des formes›, 2015, aufbereitet.
Auch in den anderen ähnlich schichtartigen, teils sogar horizontal ausgebreiteten Arbeiten in der Schau setzt sich Schardt spielerisch mit solchen retroaktiven, multiplen Selbstkonzepten auseinander, wie sie vor allem die feministische Kritik der Psychoanalyse um 1968 entworfen hat. So hat sie sich der Leerstellen von Karikaturen im Stil des ‹New Yorker› angenommen, die das Patriarchat entblössen, aber doch keine Alternative zeigen. Sie füllte diese mit Formen und Farben und liess so ganz neuartige Landschaften entstehen. Und nicht zuletzt hat sie das rautenförmige Diagramm, das Laurence Bataille - die Tochter von Bataille und Stieftochter von Lacan - für dieses stets nach und um den signifikanten Diskurs herum operierende Subjektivitätsmodell zu einem ebenso erhellenden wie erheiternden ‹Vocabulaire du ♦› entwickelt.

Bis: 31.10.2015



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Ausgabe 11  2015
Ausstellungen Simone Schardt [17.09.15-31.10.15]
Institutionen Skopia [Genève/Schweiz]
Autor/in Katharina Holderegger Rossier
Künstler/in Simone Schardt
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